Der Sparkurs der Landeskirche ist nicht alternativlos

Ein Kommentar von Anneus Buisman

Das Gerede von der sogenannten „Alternativlosigkeit“
Ich kann das Gerede nicht mehr hören, diese oder jene Entscheidung sei „alternativlos“. Vielen geht es ebenso. Auch deshalb wenden sie sich von der Politik der etablierten Parteien ab, die eben dieses Mantra vor sich her tragen, weil sie Diskussionen über Alternativen gerne im Keim ersticken wollen.
Und genauso erlebe ich das Klima in unserer Hannoverschen Landeskirche: da wird eine Sparrunde nach der anderen durchgezogen  und dabei blutet gerade auch die Präsenz der Kirche in der Fläche, nah bei den Menschen, aus. Dabei leben in Niedersachsen sage und schreibe 78% der Evangelischen in dieser „Fläche“,  in Wohnorten bis zu 50.000 Einwohnern. Trotzdem wird so getan, als sei das Konzept von Leuchttürmen, von der Sonderförderung von Zentren auf Kosten der anderen, alternativlos. Da wächst der Frust!

Ist unsere Synode mut– und kraftlos geworden?
Von einer Synode erwarte ich, dass sie um den rechten Weg in schwierigen Zeiten streitet. Stattdessen, wenn ich ihre Tagungen verfolge, erlebe ich dort gepflegte systemkonforme Debatten. Droht einmal ein Thema Brisanz aufzunehmen ( wie z.B. die Höherstufung der Superintendenten nach A16), dann werden schnell mit Geschäftsordnungstricks offene Aussprachen abgewürgt und Entscheidungen eilig durchgewunken.

Ich erinnere mich an das Gespräch mit einem ehemaligen Synodalen: er war einer von denen, die es ab und an noch wagten, auf die Interessen der Kirchengemeinden hinzuweisen. Voller Frustration schilderte er mir, warum er nicht mehr für die Synode antrat. Er war nach eigener Aussage die Strippenzieherei im Hintergrund, das Nichtinformieren über kostenträchtige Ausgaben, den ganzen Dschungel unüberschaubarer Entscheidungsgremien, die sich bis heute gegen eine Straffung sträuben, einfach leid.

Uns vom Hannoverschen Pfarrverein will nicht einleuchten, warum z.B. die Ausschüsse, die die Beschlüsse der Synode vorbereiten, dies weitgehend ohne Anhörung der Betroffenen tun, Stichwort: Verbändebeteiligung, wie sie bei Bund und Ländern üblich ist. Ja, da ist man bei vergleichbaren staatlichen Gremien um Lichtjahre weiter. Kirche und Demokratie – ein weites Feld… Es fehlt uns bedauerlicherweise eine offene, muntere, auch kontroverse Diskussionskultur, die in unsere Kirche hineinwirkt und von der Basis zurück in die Synode kommt.

Dabei: die Geschichte unserer Kirche zeigt doch, dass immer dann, wenn es darauf ankam, auf Synoden heftig gerungen wurde. Das begann beim Apostelkonzil in Jerusalem, ging über das Konzil von Nicäa, die Auseinandersetzung um die Augsburgische Konfession vor Kaiser und Reich, bis hin zu Johann Hinrich Wichern, der eine verbürgerlichte Kirche auf den Weg der Inneren Mission brachte.

Warum nur ist unsere Synode so konfliktscheu? Es sind doch wieder Zeiten, in denen entscheidende Weichen gestellt werden müssen.

Aber selbst die Synodalgruppen, die unterschiedliche Profile markieren sollten, haben sich abgeschliffen, sind unerkennbar im landeskirchlichen Mainstream versunken.
Wo aber nicht aufgegriffen wird, was an Missstimmungen in den Gemeinden und unter kirchlichen Mitarbeitern vorhanden ist da befördert man den Relevanzverlust von Kirche, da motiviert man niemanden, um ein Mandat zu kandidieren,

Mut zu Alternativen
Wann beginnt endlich eine Debatte, die um unterschiedliche Möglichkeiten und Modelle, die auf die Herausforderungen der Zukunft antworten, ohne Scheuklappen ringt?

Ich wage es mal, in den ruhenden See einen Vorschlag zu werfen:
Ich gehe einfach mal von dem aus, was unsere Kirchenmitglieder in der jüngsten Mitgliedschaftsbefragung der EKD  (KMU V.) erneut  als unaufgebbar angegeben haben: dass Kirche vor Ort besonders durch ihre MitarbeiterInnen erkennbar bleibt. Ich wage es einfach mal da besonders uns PastorenInnen zu nennen.
Man hat uns in den verg. Jahrzehnten permanent eingeredet, die Bedeutung unseres Berufes für unsere Kirche schamhaft zu verschweigen. Aber unsere Gemeindeglieder haben da wohl weit aus weniger Hemmungen, wenn sie immer wieder äußern, dass sie Kirche in einem so hohen Maße über unsere pastorale Arbeit, unseren Dienst in den Gemeinden wahrnehmen. Eigenartig: in der Bibel zitiert Jesus selbst doch das Sprichwort, in dem es heißt, dass man ein Licht auf einen Leuchter stellt und nicht unter einen Scheffel. Das würde sogar jeder moderne Werbeprofi unterstreichen. Unsere Kirche aber hat das mit uns, die wir ihre SympathieträgerInnen sind, nicht gemacht. Ja, das Priestertum aller Getauften wurde entgegen der Intention gegen das pastorale Amt gestellt. Deshalb hat für mich absoluten Vorrang, dass wir das personelle Ausdünnen in der Fläche endlich stoppen.

Mein Diskussionsvorschlag
Für einen längeren Zeitraum wird eine Mindestanzahl von Gemeindepfarrstellen festgeschrieben!!
Die Gemeindegliederzahl pro voller Pfarrstelle kann dabei zwischen 1.800 und 2.300 Gemeindegliedern schwanken (EKD-Durchschnitt). Wenn es durch Schrumpfung der Gemeindegliederzahlen in diesem Zeitraum gravierende Veränderungen gibt, sollen die – bis zu einer noch zu definierenden Größe– sich nicht auf die Stellen auswirken.
In den Kirchenkreisen wird für denselben Zeitraum auch eine festgelegte Zahl von Diakonenstellen, Kirchenmusikern und Küstern festgeschrieben. Weitere Fusionen von Kirchenkreisen wird es nicht geben.
Auch die Sachkosten werden nicht gekürzt sondern der Entwicklung der allgemeinen Teuerung angepasst.
Wenn die Einnahmen der Landeskirche zur Finanzierung dieser Pläne nicht mehr ausreichen, ( zur Zeit ist das Geld dazu noch da), soll vordringlich in anderen Bereichen gekürzt werden.

Blanke Phantasie?
Ich weiß, die Krititker werden mir das vorhalten. Immerhin mal ein ganz anderer Denkansatz. Sozusagen von unten, wo eine evangelische Kirche ja herkommt.

Ich höre schon die Einwände, besonders den einen: wir werden in Zukunft nicht mehr alle Stellen besetzen können! Unter dieser Prämisse diskutierte in diesem Jahr bereits ein Kirchenkreistag in ländlicher Region. Wenn wir doch eh nicht alle Stellen besetzen können, so einer dort, dann lasst uns doch heute schon in jeder unserer Regionen eine Pfarrstelle streichen und das Geld anderswo einsetzen.

Das jedoch ist die Kapitulation und der Weg in die völlige geistlich-theologische Auszehrung – ja so opfert man letztlich die verbleibenden KollegInnen. Ich werde jedoch nicht aufgeben zu hoffen und dafür zu arbeiten, dass der schöne Beruf der Verkündigung des Wortes Gottes unter den Menschen und der des Seelsorgers wieder attraktiv wird, so wie er es einmal war. Ja, der Pfarrberuf ist  über viele Jahre schwer beschädigt worden, nämlich dann, wenn eine imaginäre ‚Pastorenkirche‘ gezielt schlechtgeredet wurde. Das wieder zu  verändern, helfen Werbebroschüren und Werbepfarrer allein kaum. Der Beruf eines Pastoren, einer Pastorin, muss wieder aus sich selbst heraus werben und in Strukturen eingebunden sein, die menschenfreundlich und nicht aufzehrend sind – so, wie andere Landeskirchen es ja auch vormachen, denn nicht zufällig ist der EKD-Durchschnitt bei den Pfarrbezirken dort kleiner als bei uns. Dann wird auch wieder Phantasie, Freude und die tiefe Genugtuung einziehen, in einem Beruf zu arbeiten, der Gott und den Menschen dient. Das alles mag ein weiter Weg sein, aber er lohnt, um der Sache willen, beschritten zu werden.

Fangt endlich an, Alternativen zu denken!
Und nun sagen Sie bitte nicht zu meinem Vorschlag, wie Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen“. Der war Politiker   – und wie es um die Wirkung von deren Rede von der angeblichen Alternativlosigkeit bestellt ist, habe ich oben beschrieben(im übrigen bereute er später diese Aussage). Sicher mag es Einwände gegen meinen Diskussionsvorschlag geben. Er ist aber nicht mehr und nicht weniger als eine Einladung, einmal von hier aus zu denken und neue Wege zu diskutieren. Nachweisbar ist ja, dass pastoral gut aufgestellte Gemeinden und Kirchenkreise weitaus besser unsere Evangelischen begleiten und an ihre Landeskirche binden können als pastoral ausgedünnte Regionen mit einer Grundversorgung. Darum, bitte: fangt endlich an zu diskutieren und um Alternativen zu ringen!

Wir kommen von Pfingsten her, gerade haben wir es wieder gefeiert: trauen wir dem Heiligen Geist etwas zu! Und dann—getreu Martin Luther– „lasset die Geister aufeinanderprallen“. Die Sache ist es wohl wert!

Bericht des Vorsitzenden über die Arbeit des Vorstandes auf der Mitgliederversammlung des Pfarrvereins am 14.3.2016

1. Mitgliederentwicklung
Wachsen gegen den Trend: was unsere Landeskirche laut der Maßgabe des EKD-Programms Kirche der Freiheit vollmundig plante, aber nicht umsetzen konnte( dazu weiter unten mehr) – ist uns als Verein wiederum auch im zurückliegenden Jahr aufs Neue gelungen: obwohl die Zahl der Pastoren insgesamt leider durch Stellenabbau weiter zurückgegangen ist, konnten wir unsere Mitgliederzahl im Verein abermals steigern  – und befinden uns nunmehr bei der Marke von 1.663 Mitgliedern. Das ist ein zuvor niemals erreichter Höchststand, der uns darin bestätigt, engagiert weiter  für pfarramtliche Anliegen einzutreten und einen pastorenfreundlichen Kurs von unserer Landeskirche einzufordern, auch wenn das teilweise recht schwierig ist.

Unsere Arbeitsaufgaben, die wir im Berichtszeitraum wieder gemeinsam angegangen sind,
liegen deshalb deutlich vor uns:
- Serviceorientierte Mitgliederberatung im Dienstrechtsbereich – und darüber hinaus,
- vernehmbare gute Öffentlichkeitsarbeit für eine selbstkritische, plurale und diskursive Kirche, in der es nicht nur die eine herrschende Meinung gibt, sondern protestantische Vielfalt.
- soziale Angebote und Mitgliederservice wie verbilligte Versicherungen, Kredite für Berufsanfänger und Wohnungen für Ruheständler,
- stabile Mitgliedsbeiträge seit vielen Jahren
-  offene, freie Diskussion in unserem Blatt (wie auch im Dt. Pfarrerblatt des Verbandes), um den richtigen Kurs für unsere Kirche, der gesamtkirchliche Interessen und pfarramtliche Belange vernünftig verbindet, zu finden.

So komme  ich schon mitten in die Arbeitsfelder hinein: Wir sind gewillt und gefordert, unseren eingeschlagenen Kurs als Verein beharrlich fortzusetzen und uns dabei nicht beirren zu lassen.

2. Aus der Vorstandsarbeit
Der Vorstand hat im Berichtszeitraum regelmäßig je Quartal einmal getagt, dabei die reguläre Vereinsarbeit vorangetrieben, sich also mit aktuellen dienstrechtlichen Fragen und möglichen Reaktionen darauf unsererseits befasst sowie und  – das war einer unserer Arbeitsschwerpunkte im letzten Jahr – zusätzlich auch den Erwerb von zwei Eigentumswohnungen in Esens betrieben. Sie vervollständigen nun unser Wohnungsangebot, das aus einem Mehrfamilienhaus in Hannover, einem weiteren in Celle und nun diesen beiden  küstennahen Wohnungen  besteht. Wir bieten bevorzugt RuheständlerInnen an, andernfalls aber auch auf dem freien Markt.

Auf unsere Landeskirche bezogen haben wir uns in mehrfacher Hinsicht engagiert.
Da wurde rechtliche externe Beratung eingeholt, inwiefern das sog. Lehrerurteil im verg. Jahr auch für uns Pastorinnen und Pastoren Relevanz haben könnte: Das OLG Lüneburg  hatte bekanntlich auf gemeinsame Klage von GEW und Philologenverband festgestellt, dass eine schlicht von oben verordnete Erhöhung der Unterrichts-Wochenstundenzahl um eine einzige bei Gymnasiallehrern, wie sie durch das nds. Kultusministerium betrieben wurde,  in dieser Form rechtlich keinen Bestand hat. Und zwar, weil sie Rechte verletzt hat und zudem im Prozedere (keine vorherige Arbeitszeituntersuchung!) fehlerhaft war. Mehrere Rechtsberater, darunter ein Professor für Staatsrecht,  haben uns darin bestätigt, dass dies sinngemäß auch für PfarrstelleninhaberInnen so gilt!  Das bedeutet:  die nachträglichen nachteiligen Abänderungen von beurkundeten Dienstumfängen (also unsere Bestallungsurkunden), die durch Kürzung der Pfarrstellenanteile eintritt,  ist in dieser Form rechtlich nicht korrekt. Entweder korrigiert unsere Kirche sich hier und kehrt endlich zur früheren „Politik der kw-Stellen“ zurück (Stellenumfangsänderung erst bei Neubesetzung einer Stelle)  – oder sie verabschiedet sich insgeheim vom öffentlichen Dienstrecht – dies dann aber mit einem enormen Renoméeschaden neben all den persönlichen Verletzungen. Auch der Rechtsberater unseres Pfarrverbandes, Herr Wilker, vertritt diese Auffassung.

Vehement haben wir außerdem der geplanten Erhöhung des Ephorengehaltes von A15 auf A16 widersprochen, wie es auf der Novembersynode beschlossen wurde -  übrigens an der Pfarrvertretung vorbei, die nicht beteiligt wurde  – und wir tun dies weiterhin, natürlich gemeinsam mit dem Pastorenausschuss. Denn wir verstehen uns als Dienstgemeinschaft, die an dem einem ordinierten Amt  – in unterschiedlichen Funktionen  – teilhat, nicht als Über- bzw. Unterordnung der einen unter die anderen wie in der katholischen Kirche mit ihren gestuften Ämtern. Für viele Pastoren war dies einst ein ganz entscheidender Punkt in ihrer Berufswahl!  Wir wollen selbstverständlich  ein gutes, faires Miteinander aller Ordinierten, in dem alle motiviert und wertgeschätzt ihren Dienst angstfrei und ohne Sorge vor verordneten Zusatzaufträgen, Stellenkürzungen, Versetzungssorgen  etc. leisten können.

Wer von der Dienstgemeinschaft der Ordinierten redet, der muss eine solche auch sicherstellen und gewährleisten. Denn geistliche Hierarchien sind dem Protestantismus wesensfremd, Luther bzw. die Reformatoren, allen voran Melanchthon, hat das eine Ordinierte Amt an die Stelle hierarchischer geistlicher Ämter gestellt. Eine Kirche, die 2017 ihr großes 500jähriges Reformationsjubiläum feiern will (und das will sie ja, wie auch die EKD), die hat auch die guten reformatorischen Traditionen beizubehalten und nicht abzuschaffen.

Man kann sicherlich darüber debattieren, ob es richtig war, den Gemeindeanteil der Ephoren derart zu reduzieren, wie dies in unserer Landeskirche geschehen ist, das ist nun allerdings zur Realität geworden. Aber u.E. – wird nun  etwas obenauf gesattelt, was so gerade in Zeiten von Kürzungen und Sparvorgaben nicht vermittelbar ist. Denn viele heutige PastorInnen  haben in den verg. Jahrzehnten ja gerade deshalb in all den Warteschleifen und Kdp-Zeiten etc. der Kirche als Dienstherrn die Treue gehalten (und sich nicht beruflich umorientiert), weil sie fest darauf vertraut haben, dass die Zusagen, die mit dem Pfarrberuf und einem Pfarramt in der Landeskirche verbunden wurden, auch eingehalten würden. Z. B. der Unversetzbarkeits-Grundsatz  – wie auch der stets herangezogene Vergleichspunkt eines Pfarramtes zur Unabhängigkeit eines Richteramtes. Wenn Kirche sich davon jetzt verabschieden will, gefährdet sie u.E. das Fundament, auf dem sie steht.

Und hier nehme ich Bezug auf meine Eingangsbemerkung zum Thema Wachsen gegen den Trend:
als vor nunmehr zehn Jahren das EKD- Strukturpapier Kirche der Freiheit  veröffentlicht wurde, griff die hannoversche Landeskirche es begierig und ohne breiten ergebnisoffenen Diskussionsprozesss als Masterplan für gravierende Veränderungen auf.
Zitat: „ Wir wissen, dass wir ab jetzt genau beobachtet werden, ob unsere damit verbundenen Hoffnungen aufgehen werden“  so entgegnete mir damals eine Person aus unserer Kirchenleitung, „aber wir sind fest davon überzeugt, dass dieser Plan richtig ist und unsere Kirche voranbringen wird.“ Jetzt, knapp ein Jahrzehnt später, ist es höchste Zeit‚ ehrlich Bilanz zu ziehen und zu schauen, was aus den Plänen geworden ist, die uns ca. 25%! der Gemeindepfarrstellen (übrigens auch ziemlich genau 25% der Ephorenstellen) und vieles an Sicherheit genommen haben, die nicht mehr der Gemeinde, sondern der  mittlere Ebene Priorität eingeräumt und die Kirchengemeinde zum letzten Glied der Verteilkette herabgestuft hat, Stichwort Finanz-Ausgleichsgesetz. Eine erste Prüfung der Mitgliederzahlen der EKD-Landeskirchen in Zeitreihen von Herbert Dieckmann und mir hat ergeben, dass unsere Landeskirche mit diesem Kurs, was die Mitgliederverluste der Landeskirchen angeht, keineswegs weit vorn, sondern  gerade einmal auf einem der hinteren Plätze gelandet ist. Von Spitzenposition, überdurchschnittlichen Erfolgen oder ähnlichem also überhaupt keine Spur!

Von den derzeit 20 EKD-Mitgliedskirchen landet Hannover auf Platz 10. Mit einem Mitgliederverlust von  ca. 17% für den Zeitraum  von 1997 bis Ende 2014. Ziehen wir die östlichen Kirchen, die bekanntlich Sonderprobleme haben, hiervon ab, dann ist es gerade einmal noch Platz 10 von 15! Das ist hinteres Mittelfeld. Ich frage: war das die unzähligen Verletzungen, die Preisgabe und Aufgabe von so vielem, wirklich wert? Hätte es da nicht ein deutlich vorsichtigeres, bescheideneres und die Schutzrechte beachtendes Programm gebraucht? (denn die Notwendigkeit von Reformen stellen wir natürlich grundsätzlich überhaupt nicht in Frage)

Die bisher traditionell und beim Reformprozess  vorsichtig agierenden Landeskirchen wie Bayern, Baden, Reformiert (dort gibt es keine vergleichbare mittl. Ebene) und Württemberg, in denen in diesem Zeitraum viel weniger Pfarrstellen gestrichen wurden, liegen weit vor uns, haben tlw. nur halb so viele Mitglieder verloren wie wir! Die Rheinische Kirche, jahrelang mit einem Abstand von rd.  300.000 Mitgliedern hinter uns an Platz 2 gelegen, steht nun kurz davor, uns bei der Mitgliederzahl zu überholen und von uns den Rang als derzeit gerade noch größte Landeskirche der EKD zu übernehmen. Man könnte darüber hinweggehen und sagen: mischt Euch als Pfarrverein doch nicht in die große Kirchenpolitik ein, beschränkt euch vom Pfarrverein auf Detailverbesserungen für uns PastorInnen, da habt ihr genug zu tun und da habt ihr mehr Aussicht auf Erfolge  – und ja auch einiges erreicht. Lasst doch die anderen machen…  Aber zum einen verstehen  wir uns in gesamtkirchlicher Verantwortung, zum anderen wissen wir: letztlich werden wieder wir es sein, die die Folgen der Mitgliederverluste zu spüren bekommen werden.

Darum unser Appel an die Verantwortlichen in Leitungsfunktion und Synode: noch ist es nicht zu spät, das Ruder herumzureißen, einen Kurs einzuschlagen, der uns näher bei den Menschen sein lässt. Ein Kurs, bei dem für die Menschen sichtbar und spürbar ist, wo das Herz dieser Kirche schlägt und nicht nur Abbau geschieht. Ein Kurs, bei dem etwas Sichtbares, Spürbares als Gegenwert für ihre Kirchensteuer bekommen und ein Kurs, bei dem sie mitbestimmen können, gleichwie in welcher Position.

Erforderlich aus unserer Sicht wären, und das haben wir den Verantwortlichen immer wieder gesagt und geschrieben:
-    Priorität für Kirchengemeinden, für Ortsnähe, für ein attraktives Pfarramt, verbesserte überschaubare Pfarrbezirke von 2.000-2.500 Seelen, weil nur dann echte pastorale Begleitung geschehen kann
-    Partnerschaftliches Miteinander statt Hierarchie in der Dienstgemeinschaft der Ordinierten, wie das schon z.B. auch die Barmer Bekenntnissynode von 1934 nachdrücklich gefordert hat, als sie in ihre 4. These den dienenden Charakter aller kirchlichen Ämter als richtige christliche Lehre bezeugte
-    Keine weiteren Stellenkürzungen  – und  Korrekturen an Stellenplänen dort, wo besondere Härten entstanden sind
-    Verbesserungen in der Besoldung (frühere Durchstufung nach A14, wie in vielen anderen Landeskirchen üblich, damit auch die Jüngeren etwas davon haben. Einführung der Bundesbesoldung, die in immer mehr Kirchen jetzt gilt, nun auch in Bremen!
-    Vernünftige Lösungen bei Pfarrhausfragen, seien es Modernisierungen, Ausnahmen von der DW-Pflicht u.a.

Sicherlich, es gab auch Zeichen des Entgegenkommens und der Fürsorge. Da war u.a. die Einrichtung von Haus Inspiratio in Barsinghausen, die wir begrüßen und für die wir auch danken – der PA hat sich vor Ort ein Bild gemacht und ist durchaus positiv von der Einrichtung angetan. Da gibt es Sabbattage, da gibt es das Hamburger Stufenmodell des Wiedereinstiegs nach längerer Krankheit u.a.

Doch wichtiger als diese nachträglich wirkende teure Reparaturbetrieb ist die prophylaktische  Verhinderung von Burn-Out durch verantwortbare Pfarrbezirksgrößen, vernünftige Arbeitszeiten wie auch sonst im öffentlichen Dienst,  wie sie bei Kirchenbeamten, Landesbeamten und den unzähligen  Mitarbeitern selbstverständlich eingehalten werden, Pastorenfreundlichkeit der Kirchenleitung auf allen Ebenen und eben angemessene Besoldung. Zu diesem Zweck haben wir auch im Berichtszeitraum wieder zahlreiche Gespräche mit der Kirchenleitung geführt und werden fortan noch stärker versuchen, auch auf synodale Entscheidungsträger in Gesprächen einzuwirken. Und dabei eine verbindliche Form der Verbändebeteiligung einzufordern, die uns vor Zufälligkeiten und Willkür schützt.

Sodass wir rechtzeitig bei Reformvorhaben offiziell beteiligt werden. Auch dann werden sicherlich nicht all unsere Wünsche in Erfüllung gehen, aber wir können dann frühzeitiger auf Veränderungsprozesse einwirken und müssen nicht immer im Nachhinein reagieren – was einem sehr häufig dann als nachträgliches Bekritteln verübelt wird. Lernende Organisationen  – und dazu sollten reformatorische Kirchen von ihrem Selbstverständnis zählen – sollten das gute Potential erkennen, dass in offenen Beteiligungsprozessen steckt  – und nicht konsistorial oder, so erleben wir es beinah noch häufiger nachteilig – durch einige Synodale  regieren.

Kontakt zur Pfarrvertretung
Die Zusammenarbeit mit dem PA ist nicht nur durch die enge persönliche Verschränkung intensiv und gut. Das ist ein entscheidender Punkt. So verweise ich gerne auf die aktuelle und interessante Homepage des PA, die Ihr unter www.pastorenausschuss-hannover.de aufrufen könnt. Dort auch weitere Infos zu den Themen A16 für Ephoren, Durchstufung, Bundesbesoldungsordnung u.a.
Ich will es bei diesen Punkten belassen, danke im Namen aller für gute Unterstützung, für gute Worte, all das im Namen des gesamten Vorstandes und hoffe, dass unsere beharrliche Arbeit uns Erfolge bringen möge.
Andreas Dreyer

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Erfahrungen aus der HPV-Dienstrechtsberatung

Erfahrungen aus der HPV-Dienstrechtsberatung von HPV Dienstrechtsberater Herbert Dieckmann
Evangelische wünschen mehrheitlich eine gemeindlich-pastorale Begleitungskirche und erteilen der Kirchenkreis-Kirche eine herbe Absage
„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Wer Kant folgt und z.B. die KMU V mit eigener Vernunft liest, seit dies nach Veröffentlichung des gesamten Datenmaterials im Dezember 2015 endlich möglich ist, entdeckt Erstaunliches: Die Kirchenglieder sind viel stärker gemeinde- und pastoren-orientiert, als dies die KMU V zugeben kann, weil etliche Verantwortliche sich sehr bemüht hatten, die Umfragewerte für Ortsgemeinden und deren PastorInnen so niedrig wie möglich zu halten. Und dies nicht erst im März 2014 durch antiparochiale wie antipastorale Umdeutung der ersten KMU-Ergebnisse, sondern schon 2012 durch eine raffinierte Fragestellung, die Ortsgemeinden und OrtspastorInnen gezielt benachteiligt, indem sie beide vor freier Wahrnehmung durch die Kirchenglieder listenreich „versteckt“. (s. HPV-Bl. 1/16, S.11ff.; DtPfBl 3/2016, S.163ff.).
Zusätzlich verstärkt wird diese gemeindlich-pfarramtliche Benachteiligung noch durch eine vermutlich großstadtdominante Stichprobenauswahl. (s. ebd.) Die EKD bestreitet diese Großstadtdominanz und lässt die vorgelegten „BIK-Ergebnisse“ (s. KMU-Bericht 2015, S. 526) vom Emnid-Institut anhand der Postleitzahl-Angaben nachträglich in eine völlig andere, halbwegs repräsentative Stichprobenauswahl umrechnen. Dazu ist Folgendes kritisch anzumerken:
1.    Die ohne jede Begründung zum ersten Mal bei einer KMU angewandte arbeitsplatzbezogene BIK-Systematik ist zur Untersuchung wohnortbezogener Kirchenmitgliedschaft ungeeignet. Denn die BIK-Regionen sind künstliche Gebilde, die das Regional- und Marktforschungsinstitut BIK Aschpurwis + Behrens jährlich erstellt, indem es der Bevölkerung eines Wohnortes dessen Arbeitspendler aus dem Umland hinzurechnet. Diese BIK-Regionen versuchen dabei nur die Stadt-Umland-Beziehung eines Wohnortes zu bestimmen und nicht seine Einwohnerzahl. Dabei ordnet die BIK-Methode 66% der Bevölkerung dem Mittel-Großstadt-Bereich und nur 34% dem Land-Kleinstadt-Raum zu, umgekehrt proportional zur realen Verteilung von 31,5% zu 68,5%. Zur Klärung von Raumordnungs-, Wirtschafts- oder Infrastruktur-Problemen mag das BIK-System nützlich sein, kaum jedoch zur Erhebung des Mitgliedschaftsverhaltens, das die Evangelischen ja nicht am Arbeitsort, sondern vielmehr an ihrem Wohnort entfalten, der für 74% von ihnen (in Niedersachsen: sogar für 87%) im Land-Kleinstadt-Bereich liegt.
2.    Die nachträgliche Umrechnung der BIK-Ergebnisse auf tatsächliche Wohnorte allein durch Postleitzahl-Angaben ohne Zuhilfenahme des 8-stelligen amtlichen Gemeindeschlüssels (AGS) ist nach Auffassung des o.g. führenden BIK-Institutes nicht möglich. Deshalb bleibt der Verdacht der Stadt-Lastigkeit der KMU V bestehen. Im Übrigen bestätigen die Kirchenglieder selber diese Vermutung: Auf die Frage nach der Größe ihres Wohnorts geben sie an: 47,2%: Großstadt, 50, 2%: Mittel-und Kleinstadt, 2,6%: Dorf. (s. CD-Rom der KMU V, S. 83, S14b, pikanterweise nicht im KMU-V-Bericht veröffentlicht, s. S. 526)
Doch all diese ausgeklügelten Verhinderungsversuche blieben erfolglos. Darum hatten schon im März und Juni 2014 der EKD-Geschäftsführer Thies Gundlach und der Leiter des SI der EKD, Professor Gerhard Wegner, als wichtigsten KMU-V-Ertrag das Scheitern der medial hoch gelobten Kirchenkreis-Kirche der Ephoren, Pröpste und Dekane eingeräumt und die starke Gemeinde-und PastorInnen-Orientierung der Evangelischen zugestanden. Und die Veröffentlichung aller KMU-Daten lässt nun erkennen, wie groß die Gruppe der Evangelischen in Wahrheit sein muss, die eine gemeindlich-pastorale Begleitungskirche will und eine Kirchenkreis-Kirche ablehnt bzw. gar nicht erst wahrnimmt.
Die lange Geisterfahrt der verlustreichen Kirchenkreis-Kirche Eine Konsequenz aus der KMU V kann nur lauten: Wir brauchen dringend die „Reform der Reform“: die Wiederherstellung der Kirchengemeinden mit pastoral verantwortbaren Pfarrbezirken von 2.000 bis höchstens 2.500 Gemeindegliedern! Doch leider fährt die gemeindeschädliche Kirchenkreis-Kirche als Geisterfahrerin immer noch in die falsche Richtung – und das mit verheerenden Mitgliederverlusten! Aus dieser ungeheuren Spannung zwischen dem Gemeindewunsch der Kirchenglieder und der menschenfernen Kirchenkreis-Kirche entstehen für unsere PfarrkollegInnen viele Probleme, von denen ich nur einige benennen möchte.
Problematischen Umgang mit PastorInnen beenden und Burn-Out-Fälle vermindern!
Stellvertretend für etliche Fälle letztlich krankmachender Demotivierung von PfarrkollegInnen zitiere ich auszugsweise die Visitationserfahrung einer Kollegin mit halber Stelle in drei Dorfgemeinden. Als ihr KV seine Sorge über ihre zu große Arbeitsbelastung dem Superintendenten vorträgt, erklärt dieser, dass „man bei dem, was ein Pastor verdient, erwarten könne, dass er 54 Stunden pro Woche arbeitet – bei der halben Stelle also jederzeit 27.“ Darauf der KV: „Herr Superintendent, es sind aber eher 37!“ – Das wollte er nicht wissen. „Ich habe Glück“, ergänzt die Kollegin, „meine KirchenvorsteherInnen waren entsetzt über die Äußerungen des Sups. und fanden die Idee von den 54 bzw. 27 Stunden, die man „erwarten“ könne, absurd. Was aber würde eigentlich passieren, wenn ich mit einem KV zusammenarbeitete, der anders denkt?“
Unsere Bitte an alle PfarrkollegInnen: Informieren Sie uns doch bitte über solche pastorenrelevante Vorgänge!

Dienstgespräche nur in Begleitung und erst nach Kenntnis der Gesprächsthemen führen!
Trotz unserer Proteste werden immer wieder PastorInnen zu (meistens) belastenden Dienstgesprächen allein vorgeladen, ohne vorherigen Verweis an ihre Pfarrvertretung in Pfarrverein und PA und ohne vorherige genaue Informierung über die konkreten Gesprächsthemen oder Vorwürfe. Sollten Sie eine derartige Vorladung erhalten, fordern Sie umgehend eine solche Information ein und wenden Sie sich rasch an uns, damit wir Sie beraten und Ihnen einen Beistand vermitteln können!
Private Amtshaftpflicht-Versicherung abschließen!
Aus gegebenem Anlass, bei dem ein DW-Inhaber u. E. zu Unrecht mit einer hohen Schadensersatz-Forderung konfrontiert wurde, die er dann nur mit anwaltlicher Hilfe und einer privaten Amtshaftpflicht-Versicherung abwehren konnte, raten wir Ihnen dringend zu solch einer Versicherung! Dienstrechtlich sind Sie gegenüber dem LKA über uns versichert.
Vorsicht vor angemieteten Dienstwohnungen!
Nach unserer Kenntnis wird inzwischen innerkirchlich eingeräumt, wovor wir von Anfang an aus gemeindlich-pastoralen und ökonomischen Gründen dringend gewarnt hatten: Es ist falsch, Pfarrhäuser vorschnell zu verkaufen, denn angemietete Dienstwohnungen sind in den meisten Fällen für DW-Pflichtige wie für ihre Gemeinden (bzw. Kirchenkreise) kostspieliger als kircheneigene.
Zudem raten wir Ihnen bei angemieteten DW-en dringend, sich Vereinbarungen über die Dienstfahrt-Erstattungen schriftlich von Entscheidungsträgern vor Dienstantritt bestätigen zu lassen.
DW-Berechnung überprüfen!
Überprüfen Sie bitte weiterhin kritisch, ob Ihre DW-Berechnung Vergleichsmieten, Abschläge, Beeinträchtigungen, überhöhte Heizkosten, Schadstoffbelastungen u.a.m. angemessen berücksichtigt.
Einhaltung des Ablaufplans für schadstoffbelastete DW-en einfordern!
Dringen Sie auf die Einhaltung des Ablaufplans zur Instandsetzung schadstoffbelasteter Dienstwohnungen und informieren Sie uns bitte umgehend über Ihr schadstoffgeschädigtes Pfarrhaus!
Vorzeitige Ruhestandsversetzung aus gesundheitlichen Gründen genau bedenken! Zuvor konsultieren Sie uns bitte unbedingt und lassen Sie auf jeden Fall vom LKA abklären: Ihren evtl. Status als Schwerbehinderter, begrenzte Dienstfähigkeit, finanziellen Ausgleich wg. noch bestehender Urlaubsansprüche, evt. Doppelzählung von Dienstjahren und alle weiteren Rechtsansprüche.

A-14 ab der 10. Dienststufe (mit 45 statt erst mit 53 J.) als gerechte Pfarrbesoldung einführen! Gerade jüngere PfarrkollegInnen fordern diese Gleichstellung zu Kirchenbeamten völlig zurecht und insbesondere, nachdem nun die Ephoren sogar A-16 erhalten, d.h. drei Gehaltsstufen mehr als sie!
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen für Ihre kirchlich so zentrale pastorale Arbeit und grüße Sie herzlich Ihr
Herbert Dieckmann (email; Tel: 05151-10 60 53, Fax: 05151-106054)

Vorstandsbericht des Vorsitzenden auf der Mitgliederversammlung am 16. März 2015

von Andreas Dreyer

Lassen Sie mich mit zwei Zitaten aus all den vielen Kollegengesprächen der letzten Wochen beginnen:
„Wenn mir damals jemand gesagt hätte:  in 20 Jahren wird über ein Viertel aller  Pfarrstellen bei uns gestrichen sein – ich hätte das nicht für möglich gehalten.“  Und ein anderer sagt:  „Wenn es unseren Pfarrverein nicht gäbe, man müsste ihn sofort erfinden!“

Liebe  Vereinsmitglieder, ja, so verstehen und so tun  wir unsere Arbeit im Verein: als ein kritisches und hörbares Gegenüber zur Landeskirche und ihrer ‚Politik‘, die wir aufmerksam verfolgen, auf die wir öffentlich oder auch in direkten Gesprächen mit der Kirchenleitung reagieren. Dafür werden wir nicht geliebt, aber hoffentlich doch beachtet und auch ein respektiert. Und unsere Wirkungen, unsere Ergebnisse sind demzufolge eine Art stetes Wechselspiel von kleinen Erfolgen (davon gleich mehr) und einer nach wie vor problematischen Gesamtsituation in vielen Kirchenkreisen, wo wir auf Abhilfe drängen und eine wirklich grundsätzliche Kursänderung nach wie vor aussteht. Und wo wir  im Rahmen unserer bescheidenen Möglichkeiten versuchen, Verbesserungen zu erreichen. In all dem wurden wir vom Vorstand getragen vom Vertrauen in die Botschaft, die wir weitersagen dürfen – und auch in einer Solidarität untereinander und auch seitens der KollegInnen in den anderen Pfarrvereinen wie auch Pfarrvertretungen. Das hilft dann auch darüber hinweg, wenn wir Ziele nicht erreichen konnten.

Der Vorstand hat sich auch im vergangenen  Jahr regelmäßig zu seinen Sitzungen getroffen, die aktuelle dienstrechtliche Entwicklung beraten und überlegt, auch in Einzelfällen zu Personalia das Wort erhoben und v.a.  mit Eingaben, Presseaktionen, Direktgesprächen mit der Kirchenleitung Verbesserungen im Großen wie im Kleinen (sprich: Einzelfallregelungen) erreicht . Sowohl mit Landesbischof Meister wie mit unserer Personaldezernentin Frau Dr. Wendebourg wie auch mit Dr. Mainusch als Leiter des Rechtsreferates sind wir im direkten Gespräch, was sich als vorteilhaft erweist.

Gut, dass es die KMU gibt!
Dabei hat die Mitgliedschaftsstudie der EKD, über die wir heute Morgen gearbeitet haben, übrigens eine zentrale Rolle gespielt und seit langer Zeit einmal für Wind unter unseren Flügeln gesorgt. Denn endlich wurde einmal von neutraler Seite aus  festgestellt: Wir als Pfarrverein betreiben keineswegs nur Klientelpolitik für unsere Berufsgruppe, wie uns immer wieder vorgeworfen wird, sondern wir behalten sehr wohl das gesamtkirchliche Wohl im Auge; unsere pastorale Präsenz, unser pastoraler Dienst  spielt für viele Menschen eine ganz zentrale Rolle bei der Frage, ob sie in dieser Kirche verbleiben sollen oder nicht – und wie sie unsere Kirche wahrnehmen. Mit einer Presseaktion haben wir uns deshalb frühzeitig entschieden gegen Umdeutungsversuche, die Untersuchung seitens einzelner Kirchenleitungen in ihren Ergebnissen „ zu entschärfen“  und die Kernbotschaft zu verunklaren, gewehrt. Diese hat durchaus auch einigen Wirbel verursacht (was durchaus gewollt war), denn nur so können wir die Kampagnenfähigkeit unseres Vereins unter Beweis stellen: eine für die Zukunft ganz und gar entscheidende Fähigkeit, um in Auseinandersetzungen gut zu bestehen und zu verhindern, dass wir ins Hintertreffen geraten.

Zur Mitgliedersituation
Der Mitgliederbestand unseres Vereins liegt nach wie vor stabil über 1.600 Mitgliedern. Angesichts der Tatsache, dass es in den letzten Jahren ja einen spürbaren Pfarrstellenabbau gegeben hat (mehr als 300 Gemeindepfarrstellen und mehr als 100 Funktionsstellen wurden abgebaut!)  und auch angesichts der Tatsache, dass die Zahlen beim Nachwuchs, Studenten wie Vikare,  geringer werden, ist dies eine deutlich spürbare Steigerung gegenüber der Vergangenheit! Immer mehr KollegInnen  haben erkannt: es macht Sinn, sich zusammenzuschließen, gemeinsam die legitimen Interessen der Pfarrerschaft zu artikulieren, vereint zu agieren  – und eben nicht als EinzelkämpferIn. Und auch nicht darauf zu vertrauen, dass es schon nicht so schlimm kommen würde oder man selber verschont bliebe von all dem, was da an Entwicklungen, Verwicklungen gelaufen ist in den letzten Jahren.
Wir sind damit weiterhin der fünftgrößte Verein auf EKD-Ebene, weiterhin auf Wachstumskurs. Der Mitgliedsbeitrag unseres Vereins ist seit Jahren stabil und wir arbeiten daran, dass dies auch so bleiben kann. Dies haben wir auch dem Verband mitgeteilt, wo über Erhöhungen der Umlage diskutiert wurde und wird. Leider sind wir in den Ausschüssen des Verbandes nicht hinreichend entsprechend unserer Vereinsgröße vertreten, wir arbeiten mit Nachdruck daran, auch hier endlich Verbesserungen zu erreichen, um z.B. endlich auch in der Dienstrechtlichen Kommission der EKD mitwirken zu können.

Pfarrvertretung neu gewählt
Wer unser Blatt im letzten  Jahr gelesen hat, wird festgestellt haben: ein Schwerpunkt in 2014 war die Neuwahl der Pfarrvertretung, bei uns bekanntlich Pastorenausschuss genannt, die nach sechs Jahren wieder turnusmäßig erforderlich geworden war. Auch wenn der „PA“ natürlich rechtlich unabhängig vom Verein ist, war uns doch wichtig, die enge Zusammenarbeit beider Institutionen fortzuführen. – Die Gewinnung von neuen KandidatInnen gestaltete sich diesmal vergleichsweise schwierig, jedoch traten zahlreiche bisherige PA-Mitglieder, so auch ich, wieder an. Nach der Neuwahl im November, dem Aussprechen der Berufungen im Dezember und der Neukonstituierung im Januar ergibt sich für uns aus Vereinssicht ein durchaus erfreuliches Ergebnis: praktisch alle PA-Mitglieder sind auch Vereinsmitglieder, Ellen Kasper, die neue PA-Vorsitzende ist unser Vorstandsmitglied, ich selber bin zum stellv. Vorsitzenden des PA wiedergewählt worden, der alte und neue Schwerbehindertenbeauftragte  ist ebenfalls im Vereinsvorstand aktiv. So können wir im PA wie auch im HPV an der gleichen Themenagenda arbeiten, gemeinsam Schwerpunkte festlegen und verhindern, an entscheidender Stelle auseinanderdividiert zu werden. Der PA wird im Blatt verstärkt aus seiner Arbeit berichten.

Sprecherwahl
Zeitgleich, was ein gewisses Problem darstellte, war nun auch die Sprecherwahl unseres Vereins durchzuführen. Das Sprecheramt ist und bleibt ein wichtiges Bindeglied in die Regionen, ist gleichermaßen Seismograph für uns im Vereinsvorstand, um Probleme frühzeitig wahrzunehmen und agieren zu können  -  wie andersherum  die SprecherInnen Multiplikatoren und Kontaktleute in die einzelnen Kirchenkreise hinein sind. Die Sprecherversammlung im September 2014 vermochte uns ein gutes Bild der derzeitigen Situation der Pfarrerschaft zu vermitteln, sodaß die Schwerpunktsetzungen unserer Arbeit an den entscheidenden Stellen geschehen und nicht auf Nebenschauplätzen.

Sprecherversammlung  
Bei aller Unterschiedlichkeit in den einzelnen Planungsregionen schälten sich dabei folgende Problemschwerpunkte deutlich heraus.

Arbeitsüberlastung
Nach drei schwierigen „Stellenplanungsrunden“ ist nur noch ein ausgedünnes Netz von Gemeindepfarrstellen übriggeblieben, teilweise haben Kollegen bis zu 3.000 Seelen, mitunter noch darüber hinaus, zu betreuen. Das bedeutet heutzutage (Überalterung der Gesellschaft)neben vielem anderen : permanente Beerdigungsbereitschaft…  Eine Tatsache, die unseren Beruf mittlerweile so verändert hat, dass wir dem, was die Menschen von uns mit einiger Berechtigung und aus der Tradierung der Erwartungen heraus erhoffen, nicht mehr im Vollsinne entsprechen können. Mit den Verletzungen seitens unserer Gemeindeglieder, die von uns ein Mehr an Betreuung, auf Neudeutsch: Kontaktfläche erwarten (tradierte Erwartungshaltungen sind ja, siehe KMU, nicht verschwunden, sondern existieren neben neuen Erwartungen fort! ) und mit Schuldreflexen unsererseits, weil wir der gewohnten Betreuung unserer Gemeindeglieder vielfach nicht mehr entsprechen können.

Und all das, obwohl es ja seitens der Kirchenleitung einst  Zusicherungen gab, die Pfarrerdichte auf nicht mehr als ca. 2.500 Seelen pro  100%-Stelle anwachsen zu lassen. Im EKD-Durchschnitt sind es ca. 1.850 Seelen).Und dennoch wurde die „Stellenplanung“ umgesetzt, nicht nur bei Neubesetzungen und mittels kw-Stellen, wie viele Landeskirchen es z.B. aus Vertrauensschutz praktiziert haben. Sondern, und an diesem Sündenfall wird man lange kranken,  unter Eingriff auch in bestehende Dienstverhältnisse.

Strukturelle Verunsicherung
Sie verschärft die Problematik. Erkrankungen von KollegInnen machen Sorge. Notfallseelsorge führt zu Stressbelastungen, Ausgleichszeiten fehlen. Urlaube können nicht mehr vollständig genommen werden.  In Einzelfallberatungen und auch in der Begleitung von KollegInnen ins LKA haben wir zu helfen versucht, wo wir konnten. Eine allg. Tendenz zur sog.  Deprofessionalisierung (I. Karle)  in unserer Landeskirche, was geschützte Kernkompetenzen im Übrigen aller Berufsgruppen, ist festzustellen und trifft auf Kritik unsererseits. Gut ausgebildetes und kompetentes Personal, wenn ich uns einmal so nennen darf, soll und will auch entsprechend seiner Qualifikation eingesetzt werden. Darin sind wir uns einig mit anderen. Bei aller berechtigten Wertschätzung des Ehrenamtes (im Übrigen: zumeist durch uns gewonnen!) darf doch das Priestertum (nicht Pfarrertum!) aller Gläubigen keineswegs gegen das ordinierte Amt ausgespielt werden, wie man mitunter den Eindruck gewinnen konnte.

Erfreuliches:
A14 -  und doch kein Ende. ..
Doch ehe ich in ein Lamento verfalle, seien nun doch auch positive Fortschritte genannt, denn auch die hat es gegeben!   A 14 als Regelbesodlung konnte durch unseren permanenten Einspruch wieder erreicht werden, seit dem 1. Januar ist es soweit, die Durchstufung ist wiederhergestellt. Wenn auch erst für diejenigen, die die 12. Stufe (idR das 53. Lebensjahr)  erreicht haben. Das bedeutet aber immerhin eine spürbare Verbesserung der Gehaltssituation um ca. 250 € monatlich brutto für jede KollegIn. Angesichts der gegenüber den damaligen Prognosen spürbar verbesserten Einnahmesituation der Landeskirche durch KiSt-Mehreinnahmen war dies allerdings auch höchste Zeit, hier einen gravierenden Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Der Verein hat hier in Gesprächen wie auch durch permanente Öffentlichkeitsarbeit und Gespräche mit Synodalen und Kirchenleitenden neben dem PA entscheidend mitgewirkt.

Nun ist dieser Kompromiss i.S. A14 ab der 12. Stufe – und letztlich ist alles Kirchenpolitische natürlich Kompromiss –  von mehreren Seiten in die  Kritik geraten. Ich kann das grundsätzlich sehr wohl verstehen, fordere auch kein Diskussionsverbot in dieser Sache, finde es im Einzelnen jedoch auch undifferenziert und ungerecht, was da im einzelnen gesagt und geschrieben und v.a. wohl auch gemailt worden ist. Deshalb hier zur Klarstellung: PA wie Verein werden weiterhin die Forderung nach A14 mit der Durchstufung in die 10. Stufe, d.h. dem 44. Lebensjahr, aufrecht erhalten und diese nachdrücklich einfordern! Wir hatten auch stets davon gesprochen, dass umgehend nach den erforderlichen Beschlüssen die Umsetzung zu erfolgen habe (und nicht erst ein ¾ Jahr später, wie dann beschlossen). Aber in den entscheidenden Debatten in der Konföderationssynode wie auch in der ADK, in der merkwürdigerweise dieses Thema auch noch behandelt wurde, was wir nicht einmal wussten, waren wir nicht beteiligt oder hatten kein Rederecht. Dort aber wurden die Dinge verändert, nicht in den vorangegangenen Verhandlungen oder Gesprächen mit uns!  Heraus kam eine Verschiebung auf die 12. Stufe, sprich das 53. Lebensjahr im Regelfall. Manche nennen das nun böswilliger weise ‚Greisenzulage‘ -  Doch bei allem Verständnis für Ironie,  das geht zu weit und ist auch Unsinn. – Dem Vernehmen nach haben wir insbes. den Vertretern einer anderen nieders. Landeskirche wie auch einzelnen ADK-Mitgliedern diese nachträgliche Verschlechterung des mit uns zuvor besprochenen Kompromisses zu verdanken. Das ist ärgerlich. Aber es ist nicht uns anzulasten, weder dem PA noch mir als HPV-Vorsitzenden. Ich hätte mir schon erwartet, dass Kollegen das Gespräch mit uns suchen, anstatt mit ihrer Kritik in die Öffentlichkeit zu gehen. Für die Zukunft lernen wir daraus: wir werden nicht nur in der Sachfrage, sondern stets auch im Prozessablauf, im Prozedere Änderungen verlangen, die derartige Beschlussveränderungen ohne unsere Kenntnis verhindern.- Ob uns das gelingt – es bleibt zu hoffen.

Neue Wege
Angesichts von Nachwuchsmangel, Abwanderung von KollegInnen in anderen Kirchen und einer bevorstehenden enormen Pensionierungswelle steht unsere Landeskirche vor großen Herausforderungen, was den pastoralen Dienst betrifft. Studentischer Nachwuchs will geworben werden, Vikare wollen gehalten werden, Pastoren müssen in den Gemeinden auch bei zunehmenden Vakanzen v.a. in strukturschwachen Gebieten vor weiterer Überlastung geschützt werden. So ging im letzten Jahr das Haus“ Inspiratio“ in Barsinghausen an den Start, eine Einrichtung, in der überlastete KollegInnen eine Auszeit nehmen können. Und es wurden Stellen für theologische Nachwuchswerbung eingerichtet. Sowie Verbesserungen für VikarInnen umgesetzt, v.a. in der Kinderbetreuung. Das alles ist zu begrüßen und wird hoffentlich Auswirkungen haben.

Als Pfarrverein wollen und werden wir –bei allem Vortragen von berechtigter Kritik – darum nicht die Bedenkenträger vom Dienst sein, sondern guten neuen Initiativen unsere Zustimmung nicht verweigern, wenn sie uns denn insgesamt voran bringen und unter fairen Vorzeichen geschehen. So wie sicherlich großteils die Ruheständler-Aktivierung, die begonnen hat und auch schon einige gute Ergebnisse gezeitigt hat. Ab dem 1. August wird es so auch endlich wieder Gottesdienst-Vergütungen für Ruheständler geben, zunächst einen Satz von 28 € pro Gottesdienst. Wir werden gemeinsam mit dem PA dafür kämpfen, dass dieser Satz auf dann hoffentlich 50€ erhöht werden wird.

Dienstwohnungen
Auch hier gibt es Licht und Schatten zu vermelden. Nachdem die Konföderation ihre Zuständigkeit für alle pfarrerrechtlichen Belange abgegeben hat, liegen diese Verantwortlichkeiten wieder in unserer Landeskirche. Wir hatten ja schon seit 2009 Neuland betreten, als es um die Frage der Anmietung von Dienstwohnungen ging, die auch nur bei uns möglich war. Hier haben wir mehrfach klare offen dargelegte Kriterien, die für alle gleichermaßen gelten, eingefordert.

Nun gelten seit dem 1.1. 2015 auch neue Dienstwohnungsvorschriften. Auch hier hätten wir uns mehr Beratungsmöglichkeiten und auch Einspruchsmöglichkeiten seitens PA wie Verein gewünscht.  Nicht befriedigend ist, dass die Vergütungen weiterhin nicht in den Gemeinden bleiben, dass die Schönheitsreparaturpauschale weiterhin zu zahlen ist, dass Garagenmieten weiterhin eingefordert werden. Insofern gehen wir davon aus, dass das letzte Wort hier noch nicht gesprochen ist und Änderungen am Regelwerk möglich bleiben.

Aber es gibt auch Licht: die Ausstattung des Amtszimmers ist – leider erst ab dem 1.1.2016 – nicht mehr Pfarrersache, sondern ab dann Angelegenheit der Kirchengemeinde, die dann dafür zuständig ist.Wir fordern das LKA auf, gerade für die BerufsanfängerInnen, diese Bestimmungen schon jetzt in Kraft zu setzen! Auch sind fortan verbesserte Ausstattungen von Pfarrhäusern bei Um- und Neubauten möglich, die über das bisher Erlaubte hinausgehen. Damit soll die Attraktivität des Gemeindepfarramtes verbessert werden. Gut so!
Bei den Umzugskosten, die auch neu geregelt wurden, ist die Begrenzung der Menge des Umzugsgutes nach engen Kriterien entfallen, es gelten im Prinzip wieder die alten Regelungen, das ist sinnvoll und angemessen.

Eine Hoffnung zuguterletzt
Der HPV wird wahrgenommen, in der Synode, in der kirchlichen Öffentlichkeit, im Landeskirchenamt. Wir arbeiten daran, mit noch mehr Gremien und Verantwortungsträgern ins Gespräch zu kommen, um die Legitimität unserer Interessen deutlich machen zu können, damit wir alle vernünftige Rahmenbedingungen für einen wahrlich sehr schönen Beruf vorfinden können. Helfen Sie, helft ihr mit, dass unsere Arbeit sich auswirken kann im Sinne eines Pfarramtes mit Strahlkraft, um einen Begriff von Frau Dr. Wendebourg aufzugreifen. Erhebt Einspruch, wenn  – auch das habe ich schon erlebt – unsere Arbeit schlechtgeredet oder in ein falsches Licht gerückt wird. Gebt Mitteilung, wenn ihr von Fehlentwicklungen Kenntnis erlangt! Seien wir solidarisch untereinander und auch mit unserer Landeskirche!

Dank an alle im Vorstand und darüber hinaus,  die mitgewirkt und mitgeholfenhaben!