Neuerscheinung: Kirche der Reformation?

Anfragen an die evangelische Kirche zum Reformationsjubiläum 2017    

Herausgegeben von Gisela Kittel und Eberhard Mechels

Dieses Buch möchte die evangelische Kirche in Deutschland an ihre reformatorischen Wurzeln erinnern. Während die mancherlei Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum bei Beobachtern den Eindruck hinterlassen, hier ginge es den das Jubiläum Vorbereitenden vorrangig darum, die Evangelische Kirche nach außen, in der Öffentlichkeit, darzustellen und die Bedeutung des eigenen Erbes für das Heraufkommen der Moderne, für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte, hervorzuheben, richtet sich der Blick in diesem Buch nach innen. Hier wird die selbstkritische Frage gestellt, wie weit die heutige evangelische Kirche selbst noch von ihrem reformatorischen Erbe geprägt ist und ob sie sich von diesem Erbe in ihren Entscheidungen bestimmen lässt.

Dabei werden die Reform- und Umbauprozesse in den Blick genommen, denen die evangelischen Gemeinden und Kirchenkreise in den letzten 20 Jahren, spätestens aber seit dem Impulspapier des Rates der EKD „Kirche der Freiheit“ 2006, ausgesetzt sind. Erstmals kommen Stimmen der kirchlichen Basis – aus unterschiedlichen Landeskirchen – zu Wort, die beschreiben, was die durchgeführten Strukturreformen jetzt schon an der Basis mancher Gemeinden in ländlichen Gebieten, aber auch in einer Großstadt wie Berlin bewirken und was bei der Durchsetzung dieser Reformen auch in bisher noch nicht so betroffenen kirchlichen Regionen zu erwarten ist. Von einem „Wachsen gegen den Trend“ kann schon lange nicht mehr gesprochen werden. Eher hat sich das Gegenteil eingestellt. Gerade dort, wo Ortsgemeinden dem Druck zu Fusionierungen nachgeben mussten, wo unter dem Stichwort der „Regionalisierung“ Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnisse auf die regionale Ebene verschoben wurden, wo an die Stelle der früheren Ortskirchenvorstände Kreiskirchenvorstände traten, die das gemeindliche Leben vor Ort organisieren, hatte dies das Schwinden oder gar Erliegen gemeindlicher Aktivitäten vor Ort zur Folge. Auch Zentralgottesdienste, die an Stelle gering besuchter Gottesdienste in Dörfern oder Stadtteilen mal hier, mal dort angeboten werden, bringen nicht mehr Menschen sonntäglich in die Kirche, eher weniger.

Begründet wurde und wird der organisatorische Umbau der Kirche mit den immer wieder hervorgehobenen Sparnotwendigkeiten und der Prognose, dass sich bis zum Jahr 2030 die Zahl der Kirchenmitglieder auf die Hälfte reduzieren würde, somit auch die Kirchensteuereinnahmen um ca ein Drittel schrumpfen. Doch auch diese Rechnungen werden von fachlich versierten Leuten in Frage gestellt. Vornehmlich die Konsequenz, heute schon dringend benötigte Gelder in den Arbeiten an der Basis einzusparen, Kirchengebäude und Pfarrhäuser zu schließen, Pfarrstellen nicht mehr zu besetzen, weil man dies alles in ca 20 Jahren nicht mehr bezahlen kann, setzt eine sich selbst erfüllende Prophetie in Gang, die das Schrumpfen der Kirche verstärkt herbeiführt.

Dem behaupteten Sparzwang sind in den letzten Jahren in überproportionalem Ausmaß Pfarrstellen zum Opfer gefallen und tun dies auch weiterhin. Diese Einsparungen gehen mit der Entwicklung eines neues Pfarrerleitbildes einher, nach dem Pfarrpersonen nicht mehr primär Prediger oder Predigerinnen, Seelsorger oder Seelsorgerinnen in ihren Gemeinden sind, sondern theologische Fachleute, die ehrenamtliche Kräfte schulen. Sie sollen Moderatoren für Kommunikationsprozesse sein, die nun auch besondere zusätzliche Eignungsprüfungen (Assessments) zu bestehen haben.

Angesichts all dieser im Gang befindlichen „Reform“-Prozesse fragt das geplante Buch nach den theologischen Grundlagen.

I. Das theologische Einleitungskapitel erinnert an die Luther und Calvin gemeinsamen reformatorischen Grundentscheidungen: „Es wird auch gelehrt, dass allezeit eine heilige, christliche Kirche sein und bleiben muss, die die Versammlung aller Gläubigen ist, bei denen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente laut dem Evangelium gereicht werden.“ (CA VII). Kirche ist also die konkrete Gemeinschaft derer, die sich um Wort und Sakrament versammeln, und nicht eine ferne Institution. Von den Reformatoren wird Gottes Wort verstanden als ein wirkkräftiges, schöpferisches Wort, das den Glauben erweckt und die Kirche schafft. Daher ist das Predigtamt unersetzlich, von Gott selbst gestiftet. Nach evangelischem Verständnis kann die Kirche daher auch nur im Hören auf dieses Wort geleitet werden – von der Gemeinschaft derer, die sich um dieses Wort versammeln. Alle institutionellen, auf Dauer gestellten Funktionen sind Hilfsfunktionen und dienen der Gemeinde. Eine Herrschaft der einen über die anderen kann es in der nach Gottes Wort erneuerten Kirche nicht geben.

II. Das zweite Kapitel hebt die Weichenstellungen des Impulspapiers „Kirche der Freiheit“ hervor. Der Einspruch, im Jahr 2010 formuliert, beschreibt die Vorgaben, nach denen der Reformprozess in Gang gesetzt wurde und weiter voranschreitet.

III A Die neuen kirchlichen Entwicklungen werden im zweiten Kapitel sehr konkret beschrieben. Es enthält Einzelberichte aus einzelnen Landeskirchen, von engagierten Pfarrern, aber auch den Vorsitzenden der Pfarrvereine des Rheinlands, Niedersachsens, der Nordkirche und dem Vorsitzenden des Gemeindebundes der EKBO (Evangelische Landeskirche Berlin-Brandenburg- schlesische Oberlausitz) verfasst. Unter den Stichworten „Ökonomisierung“, „Regionalisierung“, „Pfarrstellenabbau“, „Herrschaft von Menschen über Menschen“ wird berichtet, was sich nicht nur in diesen Kirchen entwickelt hat. Hier wird ein allgemeinerer Trend sichtbar, der auch die nicht genannten Landeskirchen berührt. Zu Willkür und Herrschaftsanmaßungen lädt insbesondere auch das inzwischen in alle Landeskirchen übernommene Pfarrdienstgesetz der EKD ein. Es macht in seinen Versetzungsparagrafen Pfarrer und Pfarrerinnen buchstäblich zum Freiwild ihnen missgünstig gesonnener einzelner Kirchenältester und Superintendenten. Ein paar aktuelle Beispiele sind aufgenommen.

III B Die theologischen Anfragen offenbaren einen Kontrast. Fragen, die hier gestellt werden, sind die nach Wesen und Gestalt der Kirche, ihrer Rolle in der Gesellschaft, ihrem Auftrag. Ist es die Aufgabe der Kirche, sich der Gesellschaft zu integrieren, ihre Prozesse zu kopieren und sich ihr gleich zu gestalten in der Hoffnung auf Akzeptanz und allgemeine Anerkennung? Muss sie nicht, geleitet durch Gottes Wort, wohl in der Gesellschaft leben, aber doch im kritischen Gegenüber zu ihr? Das viel zitierte Wort von der „ecclesia semper reformanda“ meint ja nicht die Kirche, die sich ständig der Welt anpasst, sondern jene, die sich nach Röm 12,2 auch in allen Umbruchsituationen immer wieder neu zu Jesus Christus zurückwenden, also „re-formieren“, lässt.

IV Das vorliegende Buch ist unter das Motto der ersten Ablassthese Martin Luthers aus dem Jahr 1517 gestellt. Damit erinnert es bewusst an das Datum, welches den Anlass zur Jubiläumsfeier im Jahr 2017 gibt. Mit Bezug auf die 1. These betont es die Notwendigkeit der Umkehr, der Buße.

Eine solche Umkehr hatte bereits im Jahr 1999 ein bayerischer Initiativkreis „Kirche in der Wettbewerbsgesellschaft“ gefordert. Dieser theologische Ruf zur Erneuerung wird hier noch einmal abgedruckt, da er heute noch brisanter und aktueller erscheint als vor sechszehn Jahren. Mit einem Ausblick „Schritte in eine andere Richtung“ endet das Buch. Während das „Wormser Wort“, formuliert im Umfeld des Pfarrertags in Worms im Herbst 2014, zum Innehalten aufruft, während es dringend nach einem Moratorium verlangt, „um den aktuellen Status schonungslos offen zu legen und zur Besinnung zu kommen“, versucht dieses Buch im Ausblick zu formulieren, welche Schritte in eine andere Richtung heute nötig sind.

Neukirchner Verlag, 274 S., 24,99 €   – erscheint im September

 

 

Selbstgefällig und inhaltsarm

Offener Brief zum „Impulspapier“ des reformierten Moderamens

von Prof. Eberhard Mechels u.a.
“Die christliche Kirche ist die Gemeinde…” (Barmer Bekenntnis These III)
Das im Februar veröffentlichte Impulspapier des Moderamens der reformierten Kirche  veranlasst uns, Grundentscheidungen reformierter Glaubensüberlieferung und Theologie, das Wesen  und den Weg der christlichen Kirche betreffend, in Erinnerung zu rufen.
I. Reformiertes Profil.
1. Unser Bekenntnis.  
“Ich glaube, daß der Sohn Gottes sich aus dem ganzen Menschengeschlecht  eine Gemeinde zum ewigen Leben errwählt und daß er sie durch seinen Geist und sein Wort von  Anfang der Welt  bis ans Ende in der Einheit des wahren Glaubens versammelt, schützt und erhält… “(Heidelberger Katechismus Frage 54)
“Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus in Wort und Sakrament durch den  Heiligen Geist  als der Herr gegenwärtig handelt. Sie hat mit ihrem Glauben wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der Sünde als die Kirche der begnadigten Sünder zu bezeugen, daß sie allein sein Eigentum ist, allein von seinem Trost und von seiner Weisung in Erwartung seiner Erscheinung lebt und leben möchte.” (Barmer Bekenntnis These III)
2. Praktische Folgen.
Weil es so ist, wie das Bekenntnis sagt, dass die christliche Kirche ihrem Wesen nach versammelte Gemeinde ist, hat das wichtige Folgen für die Gestaltung des kirchlichen Lebens, wie das Diskussionspapier unserer Kirche “Auftrag, Weg und Ziel” von 1998  (im folgenden zit. als AWZ) treffend aufgezeigt hat:
“Alle Aktivitäten der Gemeinde sind auf den Gottesdienst bezogen, führen zu ihm hin oder kommen von ihm her. Dies gilt für die Tätigkeit aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, hauptamtliche und ehrenamtliche, wie auch für das Arbeitsfeld  des Kirchenrats/Presbyteriums und die Organisation des Finanzwesens. Die Grundanforderung an die  gemeindliche Organisationsform ist daher, daß sie die Feier des Gottesdienstes ermöglichen muß. Die Gemeinden und die Kirche isgesamt müssen sich in räumlicher, personeller und rechtlicher Hinsicht so organisieren, daß jedes Gemeindeglied die Möglichkeit hat, am Gottesdienst teilzunehmen… Diese zunächst ´harmlos´ klingende These hat wichtige strukturelle Konsequenzen: sie bedeutet, daß die kirchliche Arbeit sich nicht aus den Landgebieten, aus ´der Fläche´  in die … Zentren zurückziehen kann. Die Kirche muß bei den Menschen bleiben… Jedenfalls müssen die Gemeindeglieder eine in der Praxis durchführbare Möglichkeit  vorfinden, am Gottesdienst und am Gemeindeleben teilzuhaben. Jede Gemeinde für sich und die Gemeinden  miteinander sollten überlegen, wie sie mit ihrem gemeindlichen Arbeiten so nahe wie möglich an die Mensschen herankommen können… Die Struktur der Kirche, die personelle und finanzielle Ausstattung der Gemeinden muß  … so beschaffen sein, daß sie die äußeren und inneren Voraussetzung  bereitstellt, damit jede Gemeinde (gottesdienstliche) Versammlung sein kann.” (30f.)
Allerdings kann “Nähe zu den Menschen” und “Erreichbarkeit” nicht überall und in jedem Fall räumliche Nähe (also z.B. Erreichbarkeit zu Fuß) bedeuten. Dies gilt z.B. für die Gemeinden der “verstreuten Reformierten” oder für viele Gemeinden in den neuen Bundesländern.

3. Organistorische Konsequenzen.
Daraus  ergeben sich für die Gestaltung  unseres kirchlichen/gemeindlichen Lebens  wichtige Gesichtspunkte:
- Überschaubarkeit  (AWZ 91). Die Gemeinde müssen eine – auch räumliche – Größe haben, die menschenfreundlich ist, d.h. in  der die Menschen sich zurechtfinden können.
-  Nähe zu den Menschen, Erreichbarkeit, Erlebbbarkeit. “In der Gemeinde geht es um  das sichtbare, geübte, und kontinuierliche Zusammenleben von Menschen unter dem Zuspruch und Anspruch Gottes.” (Thesen des reformierten Moderamens vom 5. Juni 1971, zit. nach AWZ 91)
- Namentlichkeit.  Anonymität soll es in unseren Gemeinden nicht geben. “Verschiedene Untersuchungen und die Erfahrung selbst lehren, daß ein Pastor oder eine Pastorin in der Regel nicht mehr als 300 Menschen persönlich anzusprechen vermag.” (AWZ 53) “Der Pfarrberuf wie die Gemeindearbeit überhaupt lebt sehr stark von den Beziehungen, die ein Pastor oder eine Pastorin  zu den Gemeindegliedern aufzubauen vermag.” (AWZ  51). Gehen wir davon aus, daß ein Pastor nicht nur seine Beziehungen  zu den Gemeindegliedern  pflegen soll, sondern auch auch die Beziehungen zwischen den Gemeindegliedern fördern soll,  so ist es realistisch und sinnvoll, Gemeindegrößen  anzustreben, die deutlich unter den heutigen Messzahlen liegen. Die Sorge, dass das nicht bezahlbar ist, ist angesichts der steigenden Kirchensteuereinnahmen unbegründet.
Damit ist für Reformen  der Kirche eine Gesamttendenz beschrieben:
- Kleinere Gemeinden sind anzustreben. Wir sollten wieder Mut gewinnnen, die Kleinheit von Gemeinden als große Chance zu erkennen.
- Die Zahl der Pfarrstellen sollte erhöht werden.
- die Nähe der Menschen in der Gemeinde zueinander und  der Gemeindeglieder zur Gemeinde  ist zu intensivieren – seelsorgerlich, spirituell, diakonisch.
-  das Profil  der reformierten Kirche in der EKD muss wieder deutlich erkennbar werden.
-  das  Bewusstsein muß unter uns lebendig bleiben oder werden, dass die Kirche ihrem Wesen nach nicht eine Großinstitution ist, nicht eine Behörde, sondern die versammelte Gemeinde.
-  die versammelte Gemeinde ist eine auf das Wort Gottes hörende Gemeinde. Das ist ihre “vertikale” Ausrichtung
-  und sie ist eine Gemeinschaft, in der man umeinander weiss und sich umeinander kümmert. Das ist ihre “horizontale” Ausrichtung.
Wir haben keinen Zweifel:  wenn die Menschen erleben, erfahren, was sie an ihrer Gemeinde haben, wenn unsere Kirche und ihre Gemeinden erleben und erfahren, was sie an ihren Menschen haben, wenn die Pastoren  genug Zeit und Möglichkeit haben, in die Häuser zu gehen und bei den Menschen zu sein, dann werden wir über Geld nicht mehr reden müssen.
II. Impulspapier.
1. Die Gegenrichtung.
Wir haben den Eindruck gewonnen, dass das Impulspapier der Reformierten Kirche in der Gesamttendenz  der hier beschriebenen Richtung und Linie entgegengesetzt ist; dass es damit der Strategie folgt, die von der EKD mit ihrem Impulspapier “KIrche der Freiheit” im Juli 2006 vorgegeben wurde.
Sie besagt u.A.,
- dass die Institution EKD “die Kirche als solche” ist ;
- dass aufgrund der demographischen Entwicklung die Zahl der Kirchenmitglieder um ein Drittel zurückgeht und die finanziellen Einnahmen um die Hälfte. Das ist die sog. “einfache Formel”, die die Begründung liefert für die rigirosen Sparmassnahmen, von denen die Gemeinden betroffen sind;
-  dass die Kirche eine Gestalt des Christentums in unserer Gesellschaft ist, neben dem privaten und dem öffentlichen Christentum;
- dass Teilnahme am gemeindlichen Leben eine von  7 Möglichkeiten ist, Kirchenmitgliedschaft zu realisieren;
- dass  Personal eingespart und die Gemeinden vergrössert werden müssen, um finanzierbar zu bleiben; die Pfarrstellen in der Reformierten Kirche sollen von ca. 150 auf mindes 100 zurückgefahren werden;
- dass regionale Zentren, “ausstrahlungsstarke Begegnungsorte” (59)  (“Leuchtfeuer”) zu schaffen sind, die kirchliches Lebens attraktiv machen;
- dass aufgrund des Sparzwangs die Parchochialgemeinden auf 50 % des heutigen Bestandes zurückgefahren  werden.
2. Prognosen und Dementis.
Die Entwicklung hat gezeigt, dass die Prognose der “einfachen Formel” unseriös  war und sich nicht bestätigt hat.  Es gibt keinen empirisch belegten Zusammenhang zwischen  der Zahl der Kirchenglieder und dem Zunehmen oder Abnehmen der Kirchensteuermittel.  Diese sind in  höherem Mass von der Wirtschaftskraft unseres Landes, seinen Steuereinnahmen, der Steuerpolitik, den Verhältnissen am Arbeitsmarkt abhängig als von der Mitgliederzahl der Kirche. So nimmt etwa seit den 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Zahl der Kirchenglieder ständig ab,  während die Kirchensteuereinnahmen ständig steigen.
Weil das Argument: “Wir müssen an den Gemeinden sparen,  weil die Einnahmen vorhersehbar sinken”, nicht mehr geht,  haben Landeskirchen (Nordelbien/Nordkirche; Mitlteldeutschland; Württemberg) zu einer anderen Argumentation Zuflucht genommen:
Wir müssen die Altersversorgung der geburtenstarken Jahrgänge von Pfarrern und Kirchenbeamten finanzieren, und zwar zu 10 % aus den laufenden Haushalten, und zu 70 % aus dem angesparten Kapital und den Zinsen. Hinter dieser Rechnung steckt ein Regelwerk, das im Jahr 2006 als “erweiterter Sozialpakt” entwickelt wurde, vom Finanzbeirat der EKD.
Die Frage ist: Wo bleiben die  Milliarden, die zu Lasten der Gemeinden angespart wurden?  Genau weiss das ausser einem kleinen Kreis um den Finanzbeirat der EKD niemand. Bekannt ist so viel: Das Geld fliesst in den “Solidarpakt”.  Dh. konkret: in Investmentfonds und vermutlich auch Hegdefonds. Das war eine Verabredung weniger Bischöfe und Oberkirchenräte. Die kirchliche Öffentlichkeit, Presbyter und Synoden, erfuhren davon nichts. (Sogar Mitglieder des Rates der EKD, die  darauf angesprochen wurden, wussten nichts.) Kaum jemand weiss, wieviel kirchliches Geld in welchen Fonds  um den Globus rotiert. Der Finanzchef der EKD, Prof. Begrich, sprach vor Jahren  von 10 bis 15 Milliarden, die angespart wurden. Inzwischen dürften es nach Expertenmeinung mindestens ca. 20 Milliarden sein.
Das reformierte Impulspapier beklagt: “Die Kirche verliert zunehmend  den Zugang zu den Lebenswelten ihrer Mitglieder. .. Wir wissen oft nicht, wonach Menschen fragen, was sie vermissen, was ihnen wichtig ist”. (28f.) Wir sind überzeugt, dass die gegenwärtige Tendenz  zu immer grösseren Einheiten, Fusionen, dass der von der EKD vorgegebene  und unserer Landeskirche auferlegte Sparzwang an den Gemeinden  diesen “Zugang zu den Lebenswelten” unserer Gemeindeglieder zunehmend verhindert. Damit führen wir das herbei, was wir anschliessend beklagen.
III. Die Perspektive der Verheissung.
Wir glauben, dass der Geist Jesu Christi uns befreit  von der Zukunftsangst, dem Kleinmut, der Verzagtheit, der Resignation, die in unserer Kirche um sich greifen.
Dass unsere Gemeinden kleiner werden, birgt eine grosse Chance in sich. Als Gemeinschaft im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe, als Gemeinde mit dem Mut zur Kleinheit werden wir stark sein. Wir werden aus der gnädigen Zuwendung Gottes und in der mitmenschlichen Zuwendung zueinander leben und so Gemeinden sein, die Zukunft haben.
Wir bekennen mit Johannes Calvin: “Obwohl die Kirche zur Zeit kaum zu unterscheiden ist von einem toten oder doch invaliden Manne, so darf man doch nicht verzweifeln; denn auf einmal richtet der Herr die Seinigen auf, wie wenn er Tote aus dem Grabe erweckte. Das ist wohl zu beachten: denn wenn die Kirche nicht leuchtet, halten wir sie schnell für erloschen und erledigt. Aber so wird die Kirche in der Welt erhalten, dass sie auf einmal vom Tode aufsteht, ja am Ende geschieht diese ihre Erhaltung  jeden Tag unter vielen solchen Wundern.  Halten wir fest: Das Leben der Kirche ist nicht ohne Auferstehung, noch mehr: nicht ohne viele Auferstehungen.” (zit. nach W. Kreck, Grundfragen der Ekklesiologie, München 1981, 23f.)
Unterschrieben von:
Eberhard Mechels (Prof. Dr., ehemaliger Leiter des Reformierten Predigerseminars),  Dirk van der Laan (Geschäftsmann), Gerhard Woertel (Pastor und Mitglied der Synode), Joachim Hündling (Polizeibeamter).

Vorstandsbericht des Vorsitzenden auf der Mitgliederversammlung am 16. März 2015

von Andreas Dreyer

Lassen Sie mich mit zwei Zitaten aus all den vielen Kollegengesprächen der letzten Wochen beginnen:
„Wenn mir damals jemand gesagt hätte:  in 20 Jahren wird über ein Viertel aller  Pfarrstellen bei uns gestrichen sein – ich hätte das nicht für möglich gehalten.“  Und ein anderer sagt:  „Wenn es unseren Pfarrverein nicht gäbe, man müsste ihn sofort erfinden!“

Liebe  Vereinsmitglieder, ja, so verstehen und so tun  wir unsere Arbeit im Verein: als ein kritisches und hörbares Gegenüber zur Landeskirche und ihrer ‚Politik‘, die wir aufmerksam verfolgen, auf die wir öffentlich oder auch in direkten Gesprächen mit der Kirchenleitung reagieren. Dafür werden wir nicht geliebt, aber hoffentlich doch beachtet und auch ein respektiert. Und unsere Wirkungen, unsere Ergebnisse sind demzufolge eine Art stetes Wechselspiel von kleinen Erfolgen (davon gleich mehr) und einer nach wie vor problematischen Gesamtsituation in vielen Kirchenkreisen, wo wir auf Abhilfe drängen und eine wirklich grundsätzliche Kursänderung nach wie vor aussteht. Und wo wir  im Rahmen unserer bescheidenen Möglichkeiten versuchen, Verbesserungen zu erreichen. In all dem wurden wir vom Vorstand getragen vom Vertrauen in die Botschaft, die wir weitersagen dürfen – und auch in einer Solidarität untereinander und auch seitens der KollegInnen in den anderen Pfarrvereinen wie auch Pfarrvertretungen. Das hilft dann auch darüber hinweg, wenn wir Ziele nicht erreichen konnten.

Der Vorstand hat sich auch im vergangenen  Jahr regelmäßig zu seinen Sitzungen getroffen, die aktuelle dienstrechtliche Entwicklung beraten und überlegt, auch in Einzelfällen zu Personalia das Wort erhoben und v.a.  mit Eingaben, Presseaktionen, Direktgesprächen mit der Kirchenleitung Verbesserungen im Großen wie im Kleinen (sprich: Einzelfallregelungen) erreicht . Sowohl mit Landesbischof Meister wie mit unserer Personaldezernentin Frau Dr. Wendebourg wie auch mit Dr. Mainusch als Leiter des Rechtsreferates sind wir im direkten Gespräch, was sich als vorteilhaft erweist.

Gut, dass es die KMU gibt!
Dabei hat die Mitgliedschaftsstudie der EKD, über die wir heute Morgen gearbeitet haben, übrigens eine zentrale Rolle gespielt und seit langer Zeit einmal für Wind unter unseren Flügeln gesorgt. Denn endlich wurde einmal von neutraler Seite aus  festgestellt: Wir als Pfarrverein betreiben keineswegs nur Klientelpolitik für unsere Berufsgruppe, wie uns immer wieder vorgeworfen wird, sondern wir behalten sehr wohl das gesamtkirchliche Wohl im Auge; unsere pastorale Präsenz, unser pastoraler Dienst  spielt für viele Menschen eine ganz zentrale Rolle bei der Frage, ob sie in dieser Kirche verbleiben sollen oder nicht – und wie sie unsere Kirche wahrnehmen. Mit einer Presseaktion haben wir uns deshalb frühzeitig entschieden gegen Umdeutungsversuche, die Untersuchung seitens einzelner Kirchenleitungen in ihren Ergebnissen „ zu entschärfen“  und die Kernbotschaft zu verunklaren, gewehrt. Diese hat durchaus auch einigen Wirbel verursacht (was durchaus gewollt war), denn nur so können wir die Kampagnenfähigkeit unseres Vereins unter Beweis stellen: eine für die Zukunft ganz und gar entscheidende Fähigkeit, um in Auseinandersetzungen gut zu bestehen und zu verhindern, dass wir ins Hintertreffen geraten.

Zur Mitgliedersituation
Der Mitgliederbestand unseres Vereins liegt nach wie vor stabil über 1.600 Mitgliedern. Angesichts der Tatsache, dass es in den letzten Jahren ja einen spürbaren Pfarrstellenabbau gegeben hat (mehr als 300 Gemeindepfarrstellen und mehr als 100 Funktionsstellen wurden abgebaut!)  und auch angesichts der Tatsache, dass die Zahlen beim Nachwuchs, Studenten wie Vikare,  geringer werden, ist dies eine deutlich spürbare Steigerung gegenüber der Vergangenheit! Immer mehr KollegInnen  haben erkannt: es macht Sinn, sich zusammenzuschließen, gemeinsam die legitimen Interessen der Pfarrerschaft zu artikulieren, vereint zu agieren  – und eben nicht als EinzelkämpferIn. Und auch nicht darauf zu vertrauen, dass es schon nicht so schlimm kommen würde oder man selber verschont bliebe von all dem, was da an Entwicklungen, Verwicklungen gelaufen ist in den letzten Jahren.
Wir sind damit weiterhin der fünftgrößte Verein auf EKD-Ebene, weiterhin auf Wachstumskurs. Der Mitgliedsbeitrag unseres Vereins ist seit Jahren stabil und wir arbeiten daran, dass dies auch so bleiben kann. Dies haben wir auch dem Verband mitgeteilt, wo über Erhöhungen der Umlage diskutiert wurde und wird. Leider sind wir in den Ausschüssen des Verbandes nicht hinreichend entsprechend unserer Vereinsgröße vertreten, wir arbeiten mit Nachdruck daran, auch hier endlich Verbesserungen zu erreichen, um z.B. endlich auch in der Dienstrechtlichen Kommission der EKD mitwirken zu können.

Pfarrvertretung neu gewählt
Wer unser Blatt im letzten  Jahr gelesen hat, wird festgestellt haben: ein Schwerpunkt in 2014 war die Neuwahl der Pfarrvertretung, bei uns bekanntlich Pastorenausschuss genannt, die nach sechs Jahren wieder turnusmäßig erforderlich geworden war. Auch wenn der „PA“ natürlich rechtlich unabhängig vom Verein ist, war uns doch wichtig, die enge Zusammenarbeit beider Institutionen fortzuführen. – Die Gewinnung von neuen KandidatInnen gestaltete sich diesmal vergleichsweise schwierig, jedoch traten zahlreiche bisherige PA-Mitglieder, so auch ich, wieder an. Nach der Neuwahl im November, dem Aussprechen der Berufungen im Dezember und der Neukonstituierung im Januar ergibt sich für uns aus Vereinssicht ein durchaus erfreuliches Ergebnis: praktisch alle PA-Mitglieder sind auch Vereinsmitglieder, Ellen Kasper, die neue PA-Vorsitzende ist unser Vorstandsmitglied, ich selber bin zum stellv. Vorsitzenden des PA wiedergewählt worden, der alte und neue Schwerbehindertenbeauftragte  ist ebenfalls im Vereinsvorstand aktiv. So können wir im PA wie auch im HPV an der gleichen Themenagenda arbeiten, gemeinsam Schwerpunkte festlegen und verhindern, an entscheidender Stelle auseinanderdividiert zu werden. Der PA wird im Blatt verstärkt aus seiner Arbeit berichten.

Sprecherwahl
Zeitgleich, was ein gewisses Problem darstellte, war nun auch die Sprecherwahl unseres Vereins durchzuführen. Das Sprecheramt ist und bleibt ein wichtiges Bindeglied in die Regionen, ist gleichermaßen Seismograph für uns im Vereinsvorstand, um Probleme frühzeitig wahrzunehmen und agieren zu können  -  wie andersherum  die SprecherInnen Multiplikatoren und Kontaktleute in die einzelnen Kirchenkreise hinein sind. Die Sprecherversammlung im September 2014 vermochte uns ein gutes Bild der derzeitigen Situation der Pfarrerschaft zu vermitteln, sodaß die Schwerpunktsetzungen unserer Arbeit an den entscheidenden Stellen geschehen und nicht auf Nebenschauplätzen.

Sprecherversammlung  
Bei aller Unterschiedlichkeit in den einzelnen Planungsregionen schälten sich dabei folgende Problemschwerpunkte deutlich heraus.

Arbeitsüberlastung
Nach drei schwierigen „Stellenplanungsrunden“ ist nur noch ein ausgedünnes Netz von Gemeindepfarrstellen übriggeblieben, teilweise haben Kollegen bis zu 3.000 Seelen, mitunter noch darüber hinaus, zu betreuen. Das bedeutet heutzutage (Überalterung der Gesellschaft)neben vielem anderen : permanente Beerdigungsbereitschaft…  Eine Tatsache, die unseren Beruf mittlerweile so verändert hat, dass wir dem, was die Menschen von uns mit einiger Berechtigung und aus der Tradierung der Erwartungen heraus erhoffen, nicht mehr im Vollsinne entsprechen können. Mit den Verletzungen seitens unserer Gemeindeglieder, die von uns ein Mehr an Betreuung, auf Neudeutsch: Kontaktfläche erwarten (tradierte Erwartungshaltungen sind ja, siehe KMU, nicht verschwunden, sondern existieren neben neuen Erwartungen fort! ) und mit Schuldreflexen unsererseits, weil wir der gewohnten Betreuung unserer Gemeindeglieder vielfach nicht mehr entsprechen können.

Und all das, obwohl es ja seitens der Kirchenleitung einst  Zusicherungen gab, die Pfarrerdichte auf nicht mehr als ca. 2.500 Seelen pro  100%-Stelle anwachsen zu lassen. Im EKD-Durchschnitt sind es ca. 1.850 Seelen).Und dennoch wurde die „Stellenplanung“ umgesetzt, nicht nur bei Neubesetzungen und mittels kw-Stellen, wie viele Landeskirchen es z.B. aus Vertrauensschutz praktiziert haben. Sondern, und an diesem Sündenfall wird man lange kranken,  unter Eingriff auch in bestehende Dienstverhältnisse.

Strukturelle Verunsicherung
Sie verschärft die Problematik. Erkrankungen von KollegInnen machen Sorge. Notfallseelsorge führt zu Stressbelastungen, Ausgleichszeiten fehlen. Urlaube können nicht mehr vollständig genommen werden.  In Einzelfallberatungen und auch in der Begleitung von KollegInnen ins LKA haben wir zu helfen versucht, wo wir konnten. Eine allg. Tendenz zur sog.  Deprofessionalisierung (I. Karle)  in unserer Landeskirche, was geschützte Kernkompetenzen im Übrigen aller Berufsgruppen, ist festzustellen und trifft auf Kritik unsererseits. Gut ausgebildetes und kompetentes Personal, wenn ich uns einmal so nennen darf, soll und will auch entsprechend seiner Qualifikation eingesetzt werden. Darin sind wir uns einig mit anderen. Bei aller berechtigten Wertschätzung des Ehrenamtes (im Übrigen: zumeist durch uns gewonnen!) darf doch das Priestertum (nicht Pfarrertum!) aller Gläubigen keineswegs gegen das ordinierte Amt ausgespielt werden, wie man mitunter den Eindruck gewinnen konnte.

Erfreuliches:
A14 -  und doch kein Ende. ..
Doch ehe ich in ein Lamento verfalle, seien nun doch auch positive Fortschritte genannt, denn auch die hat es gegeben!   A 14 als Regelbesodlung konnte durch unseren permanenten Einspruch wieder erreicht werden, seit dem 1. Januar ist es soweit, die Durchstufung ist wiederhergestellt. Wenn auch erst für diejenigen, die die 12. Stufe (idR das 53. Lebensjahr)  erreicht haben. Das bedeutet aber immerhin eine spürbare Verbesserung der Gehaltssituation um ca. 250 € monatlich brutto für jede KollegIn. Angesichts der gegenüber den damaligen Prognosen spürbar verbesserten Einnahmesituation der Landeskirche durch KiSt-Mehreinnahmen war dies allerdings auch höchste Zeit, hier einen gravierenden Fehler der Vergangenheit zu korrigieren. Der Verein hat hier in Gesprächen wie auch durch permanente Öffentlichkeitsarbeit und Gespräche mit Synodalen und Kirchenleitenden neben dem PA entscheidend mitgewirkt.

Nun ist dieser Kompromiss i.S. A14 ab der 12. Stufe – und letztlich ist alles Kirchenpolitische natürlich Kompromiss –  von mehreren Seiten in die  Kritik geraten. Ich kann das grundsätzlich sehr wohl verstehen, fordere auch kein Diskussionsverbot in dieser Sache, finde es im Einzelnen jedoch auch undifferenziert und ungerecht, was da im einzelnen gesagt und geschrieben und v.a. wohl auch gemailt worden ist. Deshalb hier zur Klarstellung: PA wie Verein werden weiterhin die Forderung nach A14 mit der Durchstufung in die 10. Stufe, d.h. dem 44. Lebensjahr, aufrecht erhalten und diese nachdrücklich einfordern! Wir hatten auch stets davon gesprochen, dass umgehend nach den erforderlichen Beschlüssen die Umsetzung zu erfolgen habe (und nicht erst ein ¾ Jahr später, wie dann beschlossen). Aber in den entscheidenden Debatten in der Konföderationssynode wie auch in der ADK, in der merkwürdigerweise dieses Thema auch noch behandelt wurde, was wir nicht einmal wussten, waren wir nicht beteiligt oder hatten kein Rederecht. Dort aber wurden die Dinge verändert, nicht in den vorangegangenen Verhandlungen oder Gesprächen mit uns!  Heraus kam eine Verschiebung auf die 12. Stufe, sprich das 53. Lebensjahr im Regelfall. Manche nennen das nun böswilliger weise ‚Greisenzulage‘ -  Doch bei allem Verständnis für Ironie,  das geht zu weit und ist auch Unsinn. – Dem Vernehmen nach haben wir insbes. den Vertretern einer anderen nieders. Landeskirche wie auch einzelnen ADK-Mitgliedern diese nachträgliche Verschlechterung des mit uns zuvor besprochenen Kompromisses zu verdanken. Das ist ärgerlich. Aber es ist nicht uns anzulasten, weder dem PA noch mir als HPV-Vorsitzenden. Ich hätte mir schon erwartet, dass Kollegen das Gespräch mit uns suchen, anstatt mit ihrer Kritik in die Öffentlichkeit zu gehen. Für die Zukunft lernen wir daraus: wir werden nicht nur in der Sachfrage, sondern stets auch im Prozessablauf, im Prozedere Änderungen verlangen, die derartige Beschlussveränderungen ohne unsere Kenntnis verhindern.- Ob uns das gelingt – es bleibt zu hoffen.

Neue Wege
Angesichts von Nachwuchsmangel, Abwanderung von KollegInnen in anderen Kirchen und einer bevorstehenden enormen Pensionierungswelle steht unsere Landeskirche vor großen Herausforderungen, was den pastoralen Dienst betrifft. Studentischer Nachwuchs will geworben werden, Vikare wollen gehalten werden, Pastoren müssen in den Gemeinden auch bei zunehmenden Vakanzen v.a. in strukturschwachen Gebieten vor weiterer Überlastung geschützt werden. So ging im letzten Jahr das Haus“ Inspiratio“ in Barsinghausen an den Start, eine Einrichtung, in der überlastete KollegInnen eine Auszeit nehmen können. Und es wurden Stellen für theologische Nachwuchswerbung eingerichtet. Sowie Verbesserungen für VikarInnen umgesetzt, v.a. in der Kinderbetreuung. Das alles ist zu begrüßen und wird hoffentlich Auswirkungen haben.

Als Pfarrverein wollen und werden wir –bei allem Vortragen von berechtigter Kritik – darum nicht die Bedenkenträger vom Dienst sein, sondern guten neuen Initiativen unsere Zustimmung nicht verweigern, wenn sie uns denn insgesamt voran bringen und unter fairen Vorzeichen geschehen. So wie sicherlich großteils die Ruheständler-Aktivierung, die begonnen hat und auch schon einige gute Ergebnisse gezeitigt hat. Ab dem 1. August wird es so auch endlich wieder Gottesdienst-Vergütungen für Ruheständler geben, zunächst einen Satz von 28 € pro Gottesdienst. Wir werden gemeinsam mit dem PA dafür kämpfen, dass dieser Satz auf dann hoffentlich 50€ erhöht werden wird.

Dienstwohnungen
Auch hier gibt es Licht und Schatten zu vermelden. Nachdem die Konföderation ihre Zuständigkeit für alle pfarrerrechtlichen Belange abgegeben hat, liegen diese Verantwortlichkeiten wieder in unserer Landeskirche. Wir hatten ja schon seit 2009 Neuland betreten, als es um die Frage der Anmietung von Dienstwohnungen ging, die auch nur bei uns möglich war. Hier haben wir mehrfach klare offen dargelegte Kriterien, die für alle gleichermaßen gelten, eingefordert.

Nun gelten seit dem 1.1. 2015 auch neue Dienstwohnungsvorschriften. Auch hier hätten wir uns mehr Beratungsmöglichkeiten und auch Einspruchsmöglichkeiten seitens PA wie Verein gewünscht.  Nicht befriedigend ist, dass die Vergütungen weiterhin nicht in den Gemeinden bleiben, dass die Schönheitsreparaturpauschale weiterhin zu zahlen ist, dass Garagenmieten weiterhin eingefordert werden. Insofern gehen wir davon aus, dass das letzte Wort hier noch nicht gesprochen ist und Änderungen am Regelwerk möglich bleiben.

Aber es gibt auch Licht: die Ausstattung des Amtszimmers ist – leider erst ab dem 1.1.2016 – nicht mehr Pfarrersache, sondern ab dann Angelegenheit der Kirchengemeinde, die dann dafür zuständig ist.Wir fordern das LKA auf, gerade für die BerufsanfängerInnen, diese Bestimmungen schon jetzt in Kraft zu setzen! Auch sind fortan verbesserte Ausstattungen von Pfarrhäusern bei Um- und Neubauten möglich, die über das bisher Erlaubte hinausgehen. Damit soll die Attraktivität des Gemeindepfarramtes verbessert werden. Gut so!
Bei den Umzugskosten, die auch neu geregelt wurden, ist die Begrenzung der Menge des Umzugsgutes nach engen Kriterien entfallen, es gelten im Prinzip wieder die alten Regelungen, das ist sinnvoll und angemessen.

Eine Hoffnung zuguterletzt
Der HPV wird wahrgenommen, in der Synode, in der kirchlichen Öffentlichkeit, im Landeskirchenamt. Wir arbeiten daran, mit noch mehr Gremien und Verantwortungsträgern ins Gespräch zu kommen, um die Legitimität unserer Interessen deutlich machen zu können, damit wir alle vernünftige Rahmenbedingungen für einen wahrlich sehr schönen Beruf vorfinden können. Helfen Sie, helft ihr mit, dass unsere Arbeit sich auswirken kann im Sinne eines Pfarramtes mit Strahlkraft, um einen Begriff von Frau Dr. Wendebourg aufzugreifen. Erhebt Einspruch, wenn  – auch das habe ich schon erlebt – unsere Arbeit schlechtgeredet oder in ein falsches Licht gerückt wird. Gebt Mitteilung, wenn ihr von Fehlentwicklungen Kenntnis erlangt! Seien wir solidarisch untereinander und auch mit unserer Landeskirche!

Dank an alle im Vorstand und darüber hinaus,  die mitgewirkt und mitgeholfenhaben!