Einladung zur Diskussion der Kirchenverfassung

Reale Mitwirkungmöglichkeit oder Placebo?

Das ist doch mal eine freundliche „Mitteilung“ (G 17/2017): eine Einladung zur Diskussion über die zukünftige Gestaltung unserer Kirche.
Ein Meilenstein in der Geschichte unserer Landeskirche, vermute ich. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, in den zurückliegenden 20 Jahren als Pastor auch nur einmal um meine Meinung zu Angelegenheiten, die die gesamte Kirche betreffen, gefragt worden zu sein. Aber es ist nie zu spät.
Nun also sind wir u.a. auf Kirchenkreisebene zur Diskussion eingeladen und dürfen sogar VertreterInnen zu einer Tagung im März 2018 entsenden. Genauer: der Verfassungsausschuss der Synode lädt dazu ein. Grund: Unsere Landeskirche soll eine neue Verfassung bekommen. Diese soll „neue Gestaltungsspielräume eröffnen und neue Entwicklungen für das kirchliche Leben ermöglichen“. Das klingt zunächst einmal gut. Andererseits aber frage ich mich: War oder ist die alte und noch gültige Verfassung von 1965 denn so „vom Teufel“, dass sie bisher alles Gute verhindert hätte?
Schon im Jahr 2015 hat die Landessynode eine Reform der Verfassung beschlossen. (das wussten Sie natürlich längst…) Zunächst hieß es allerdings noch von höchster kirchenleitender Ebene, es gehe nur um ein paar sprachliche Glättungen, gendergerecht und so – tatsächlich aber geht es wohl um wesentlich mehr.
In Artikel 54 der Verfassung heißt es: „Das Amt des Superintendenten ist mit einer bestimmten Pfarrstelle verbunden.“ Da scheinen die in den letzten Jahren auf minimale 0,25 oder 0,15 reduzierten Pfarrstellenanteile der Superintendenturen schon eine ziemliche Dehnung des verfassungsgemäßen Spielraums zu sein. Null Stellenanteile (auch das gibt es bekanntlich) sind dagegen ein glatter Verfassungsbruch. Im Staat würde das umgehend die Opposition auf den Plan rufen und zu einer Klage vor dem Verfassungsgericht führen. Nicht so in der Kirche: Da gibt es nur Schwestern und Brüder. Und Papier, das bekanntlich sehr geduldig ist. Mit einer entsprechenden Änderung könnte man zumindest posthum alles „glatt ziehen“ und evtl. gar noch weitere gravierende Veränderungen einleiten.
Ich frage mich: Wie ergebnisoffen wird dieser Diskussionsprozess sein? Seit über 25 Jahren wird unsere Kirche von oben, ohne breiten Diskussionsprozess tief greifend umgebaut: Aktenstück 98, die sog. „Stärkung der mittleren Ebene“, dann das EKD-Papier „Kirche der Freiheit“, viele Einsparmaßnahmen und damit verbundene Gemeindefusionen und Stellenkürzungen, die Aufwertung des Kirchenkreises  und gar der EKD als „Kirche“  – all das waren und sind entscheidende Weichenstellungen in Richtung eines Religionskonzerns, der seine Gemeinden, längst zu Filialen herabgestuft, topdown leitet. So wie es uns die Wirtschaft vormacht.
Wird also die neue Verfassung diese Entwicklung nun auch noch posthum absegnen, pseudodemokratisch legitimieren und sogar verstärken?  Oder bietet sie wirklich die Chance, notwendige Korrekturen einzuleiten? Ich gebe die Hoffnung  – trotz mancher Enttäuschungen -  nicht auf. Es geht um viel mehr als nur einzelne Artikel und Formulierungen. Bitte bringen Sie sich vor Ort und trotz alltäglicher Arbeitsbelastung ein in diese wichtige Diskussion!
Thomas Arens, Mitglied im PA, Esens

Chance vertan! Synode beschließt Eproralzulage

Die Chance war da, doch es fehlte der Mut. Nach einer fulminanten Rede von Pastorenausschuss- und Synodenmitglied Burkhard Kindler wurde am letzten Tag der Synodaltagung doch noch einmal das Thema ‚Ephoralzulage‘ (vulgo:  A16 für Ephoren) zur Disposition gestellt, auch in der Tagesordnung vorgezogen und nicht an letzter Stelle untergeschoben, wie ursprünglich geplant. Allein, es fehlte der überwiegenden Mehrheit der Synodalen Mut und Wille, das Thema noch einmal aufzugreifen und ein Zeichen zu setzen – obwohl die nun einsetzende Verfassungsreform dazu Anlass genug gewesen wäre, denn die damalige Verfassungsreform von 1965 war es ja, die das alte Zulagensystem aufgehoben und das Stufensystem eingeführt hatte.

So wird nun rückwirkend zum 1.1.2017 die umstrittene Höherstufung beim Ephorengehalt (ab dem 4. Amtsjahr)  in Geltung gesetzt, die dazu führt, dass der Gehaltsunterschied zwischen jüngeren PastorInnen (U53) und SuperintendentInnen auf drei Gehaltsstufen ansteigt. Ob dies wirklich der richtige Anreiz ist, geeigneten Ephoren-Nachwuchs zu gewinnen und zugleich die Motivation der Pfarrerschaft zu erhalten?

Dabei war es für viele, vielleicht sogar die meisten PastorInnen der heute mittleren Generation doch gerade doch  dieses zentrale Versprechen, diese Zusage weitgehender Berufsautonomie und Hierarchiefreiheit, der einst viele uns für den Pfarrberuf begeisterte. Sollte man derlei theologisch begründete Zusagen nicht konsequent einhalten, statt dem  Wunsch einzelner nach Zulagen nachzugeben?

Bitter stößt auf, dass die Erwartung der Pfarrerschaft nach frühzeitigerer Durchstufung ( früher mit  dem 39. , heute erst mit dem 53. Lbj. erreicht) bzw. Umstellung von Landes- auf Bundesbesoldung (wie z.B. in Bremen, Nordkirche, Hessen usw.) offensichtlich verhallten. Vielleicht gibt die anstehende Verfassungsreform ja doch noch einmal Anlass, das Thema neu zu überdenken – angeraten wäre es in jedem Fall.

Andreas Dreyer

Es gibt sie wieder: die Gottesdienstpauschale für RuheständlerInnen

Nun ist sie endlich wieder da: die Gottesdienstpauschale für RuheständlerInnen. Ab 7.10.2016 können RuheständlerInnen den Gemeinden für einen Gottesdienst    30  €, für einen folgenden zweiten  am selben Tage 20 € , für andere Gottesdienste 20 € und für eine Amtshandlung 40 € den Kirchenkreisen in Rechnung stellen. Der Betrag wird als Aufwandsentschädigung gezahlt und muss daher nicht versteuert werden.
Bereits praktiziert wird folgende Regelung: „Pastoren im Ruhestand, die zur Milderung von Vakanzsituationen mehrwöchige   verbindliche Vertretungsdienste (Gastdienste) in einer Kirchengemeinde übernehmen, erhalten eine Aufwandsentschädigung, die mit dem Ruhegehalt versteuert wird. Die Aufwandsentschädigung beträgt bei einem vollen Gastdienst monatlich 600 Euro. Sofern der Gastdienst  eine auswärtige Unterbringung erforderlich macht, erhöht sich die Aufwandsentschädigung auf monatlich 800 Euro.“

Wird das nun die Motivation, bei Gottesdiensten und Kasualien zu helfen, steigern? Ich denke nicht. Unabhänging von einer Bezahlung haben viele RuheständlerInnen treu ihre Dienste geleistet. Um schnöden Mammon ging es nie. Aber ein Stück mangelnder Wertschätzung ist abgeräumt.

Gestrichen worden war die Gottesdienstpauschale in den Jahren, als es noch reichlich besetzte Pfarrstellen gab. Da wollte man, so war unter der Hand zu hören, die „alten Säcke“ von den Kanzeln haben. Es ging nicht ums Sparen, von Anfang an war ein Stück Abwertung damit gemeint.

Aus diesem Grund hat der Hannoversche Pfarrverein in der ganzen Zeit nicht Ruhe gegeben und die Wiedereinführung gefordert.

Heute, wo man wegen der Ausdünnung der Gemeindepfarrstellen vielerorts die RuheständlerInnen dringend braucht, hat man endlich, nach überlangem Zögern, dies Stück Diskriminierung, auch im Vergleich zu Lektoren, Prädikanten oder Orgel spielenden Kollegen, abgeräumt. Intern, so hört man, hätten manche Entscheidungsträger gerne höhere, dem Aufwand und der Vorbereitung angemessenere Summen gehabt. Das war nicht durchsetzbar — man braucht wohl das Geld an anderer Stelle oder hat an das alte Lied (EKG 115,8) gedacht: „Darum wir billig loben dich…“.

Wie gehe ich nun damit um? Meine Bereitschaft zu Vertretungsdiensten wird sich durch Bezahlung nicht verändern. Auf jeden Fall werde ich mir das Geld gutschreiben lassen. Ob ich es einstecke oder für einen mir wichtigen Zweck in meiner oder in der Vertretungsgemeinde spende, ist dann meine Entscheidung.

Aber ein Stück Genugtuung ist es für mich schon, dass meine Kirche endlich auch meinen Einsatz wertschätzt, so, wie die Gemeinden und KollegenInnen es bis heute tun.

Anneus Buisman

Die Kirche vor Ort ist durch nichts zu ersetzen

Religionssoziologe Prof. Detlef Pollak referierte auf dem Hannoverscher Pfarrvereinstag

Hannover Die Bedeutung von Begegnungsstätten vor Ort für die Kommunikation und Weitergabe von Glauben hob der Münsteraner Professor Detlef Pollack in seinem Vortrag „Was wird aus der Kirche? Religionssoziologische Beobachtungen und Handlungsempfehlungen“ auf dem Hannoverschen Pfarrvereinstag hervor. Auf der mit ca 100 Teilnehmern gut besuchten Tagung unseres Vereins, der 1.650 Theologinnen und Theologen in der Hannoverschen und Schaumburg-Lippeschen Landeskirche vertritt, hielt er am 14. März im Stephansstift Hannover das Hauptreferat.

In ihrem Grußwort betonte die für PastorenInnen zuständige Oberlandeskirchenrätin Dr. Nicola Wendebourg, dass ihr an einem kritisch-konstruktiven Dialog mit dem Pfarrverein gelegen sei.

Dazu bot der Vortrag von Prof. Pollack genügend Stoff. Vor allem vor Ort, so das Ergebnis seiner Forschung, biete sich die Chance, Kinder, Jugendliche und vor allem Familien anzusprechen. Das könne ganz unterschiedlich geschehen, Programme von Außen brächten nur wenig. Wichtig sei, die Kontaktflächen für die Begegnung mit den Menschen zu verbreitern und nicht einzuschränken. Der Kontakt zum Pastoren, zur Pastorin sei dabei entscheidend für die Bindung zur Kirche, seine Rolle sei nach wie vor zentral. Bei Ersatz sinke die Bereitschaft, in der Gemeinde mitzumachen. Groß propagierte neue Ansprachemöglichkeiten über soziale Medien wie twitter und facebook, die mit starkem personellen und finanziellen Aufwand auf den Weg gebracht wurden, brachten dagegen enttäuschende Ergebnisse.

Der Vortrag (wie auch andere wissenschaftliche Untersuchungen) stützt die Bemühungen des Pfarrvereins, der sich seit Jahren gegen den Rückzug der Kirche aus der Fläche (83% Bevölkerungsanteil in Niedersachsen), gegen weitere Pfarrstellenstreichungen und Fusionen sowie gegen eine Verlagerung auf ortsferne Kirchenkreisebenen ausspricht.

Buisman

Pfarrverein und Pastorenausschuss im Gespräch mit der Präsidentin des Landeskirchenamtes

Zu einem offenen Meinungsaustausch trafen sich der Vorstand des Hannoverschen Pfarrvereins und die Mitglieder des Pastorenausschusses mit der Präsidentin des Landeskirchenamtes, Frau Dr. Stephanie Springer.

Ellen Kasper, Vorsitzende des PA, führte in die Themen ein, die derzeit vor allem die Pfarrerschaft bewegen. Mit Verweis auf einen aktuellen Artikel von Prof. Gerhard Wegner, Leiter des  Sozialwiss. Instituts der EKD, im Deutschen Pfarrerblatt, wies sie auf das Scheitern des bisherigen EKD-Reformprozesses hin. Die „Kirche der Freiheit“ sei, dies habe man jetzt erkannt, einer Vielzahl vonKurzschlüssen aufgesessen. Eine Folge davon sei der enorme Machtzuwachs der mittleren Ebene, der zu Lasten der Kirchengemeinden gegangen sei. Das habe zu nachvollziehbarer Unzufriedenheit unter PastorenInnen und Ehrenamtlichen geführt.

In ihrer Entgegnung betonte Präsidentin Springer, die Parochie sei und bleibe aus ihrer Sicht als Fundament weiterhin bedeutend, aber sie sei „nicht alles“: Die neue Kirchenverfassung der Landeskirche, die derzeit in Arbeit sei,  werde dies auch thematisieren. Das bunte, plurale Bild der Gesellschaft müsse sich auch in der Kirche wiederfinden. Personalgemeinden seien ebenfalls denkbar.
Sie sagte jedoch zu, dass eine genaue Evaluation des bisherigen Reformprozesses vorgenommen werde.

Wohin die Reise in der Zukunft mit der Dienstwohnungspflicht und dem Umgang mit kircheneigenen- bzw. angemieteten Wohnungen gehe, sei noch nicht ganz klar. Das Problem des Sanierungsstaus bei den Pfarrhäusern, wie auch dem bei den angemieteten Pfarrdienstwohnungen, hätte man klar erkannt. Sie machte HPV und PA das Angebot, über den Plan einer gezielteren Verwendung der DW-Vergütung als bisher miteinander zu reden. Bisher fließt sie in den Landeskirchenhaushalt und ist nicht zweckbestimmt für Renovierungen da.
Die Attraktivität des Pfarrberufs, gerade im ländlichen Raum, müsse und werde gesteigert werden. Welche Einzelmaßnahmen das genau einschließe, könne noch nicht gesagt werden. Man sei aber in der Diskussion.

Andreas Dreyer, Vorsitzender des Pfarrvereins und stellv. Vors. des PA, verwies auf schon sichtbare Folgen des Reformprozesses: es gäbe leider erhebliche Mitgliederverluste. Die seien in Hannover deutlich höher als in vielen anderen Landeskirchen. Er mahnte für den künftigen Reformprozess dringend eine Beteiligungsoffenheit und eine Ergebnisoffenheit an: man dürfe nicht immer schon mit fertigen Konzepten, die oft genug kurzschlüssig seien, in Debatten gehen. Die Machtbalance im Institutionengefüge der Landeskirche sei im bisherigen Reformverlauf verloren gegangen, dies habe die Pfarrerschaft tief verunsichert. Der gravierende Pfarrstellenabbau habe ein Übriges dazu beigetragen, viele zu demoralisieren.

Herbert Dieckmann, Dienstrechtsberater des HPV, nahm, unter Bezugnahme auf seine Detailauswertung der EKD-Mitgliedschaftuntersuchung, den bisherigen Reformprozess ebenfalls unter die Lupe. Er forderte eine (schon unter Präsident v. Vietinghoff einst zugesagte) Mindestzahl (`Sockelzahl´) an Pfarrstellen ein, die im bisherigen Prozedere überhaupt nicht (mehr) garantiert sei: Pfarrstellen seien dem permanenten Zugriff von Kirchenkreisgremien ausgesetzt, die oft das dort eingesparte Geld anderweitig zu verwenden trachteten.

In den Gremien der KKrs sah Ellen Kasper ebenfalls einen Großteil des Problems. Viele KKVs betrieben Kabinettspolitik, der die Stelleninhaber ausgeliefert seien. Die Absicht, nun auch noch durch Änderung der Kirchenkreisordnung die stellv. Ephoren durch die KKVs (und nicht mehr durch die Pfarrkonvente) bestimmen zu lassen, zeige diese Tendenz, der Basis bzw. der Pfarrerschaft Rechte zu nehmen.

Anneus Buisman vom HPV-Vorstand sprach die mangelnden Schutzrechte (Abordnungsschutz, Schutz vor zusätzlichen Dienstaufträgen usw.) für Mitglieder des PA an. Er forderte, die den übrigen Mitarbeitern und auch Kirchenbeamten der Landeskirche gewährten Schutzrechte auch den pastoralen Mitarbeitervertretern einzuräumen. So konnte er von einem Gespräch des HPV mit einem Staatsrechtler berichten, der hier ein Defizit der Landeskirche feststellte, das nicht mehr den gängigen Rechtsnormen entspräche.

Frau Dr. Springer sicherte zu, dass sie als leitende Juristin im Hause prüfen werden, ob und wie vergleichbare Schutzrechte wie im Nds. Personalvertretungsgesetz garantiert werden könnten. Die Forderung sei einsichtig. Sie bat HPV und PA, dazu thematisch eine Vorlage erstellen (was inzwischen geschehen ist), über die man mit ihr weiter diskutieren werde.

Abschließend bedankte sich Ellen Kasper bei der Präsidentin dafür, sich für das Gespräch so ausgiebig Zeit genommen zu haben und sich den thematischen Schwerpunkten gegenüber offen gezeigt zu haben.

Buisman

 

Zulage zum Ephorengehalt nach A16 – Stellungnahme des Pastorenausschusses mit der Bitte, die Entscheidung der Synode zu überdenken

Sehr geehrtes Synodenmitglied,

der Pastorenausschuss unserer Landeskirche wendet sich mit diesem Rundbrief an Sie, da auf der letzen Synodaltagung im November  – für uns überraschend -, eine Zulage zum Gehaltes der Superintendentinnen  und Superintendenten beschlossen wurde, die einer Erhöhung von A15 auf A16 entspricht.

Überraschend war es für uns als Pastorenausschuss vor allem deshalb, weil uns kein entsprechender Gesetzesentwurf des Landeskirchenamtes, der dieser Entscheidung zugrunde gelegen hatte, vorlag. Somit hatte der Pastorenausschuss auch keine Möglichkeit, dazu Stellung nehmen. Damit wurde u.E. geltendes Recht missachtet. Eine grundsätzliche Eingabe hatten wir seinerzeit dennoch bei der Synode eingereicht.

Überraschend war dies für uns auch deshalb, weil uns in unseren Sitzungen der Stand der Diskussion in dieser Sache nicht mitgeteilt worden war. Deshalb hatten wir auch mit einer Entscheidung der Synode in diesem Punkt noch gar nicht gerechnet.

Wir erachten den Weg, der hiermit beschritten wird, für grundsätzlich falsch. Als gewählte Vertretung der Pastorenschaft unserer Landeskirche halten wir es deshalb für geboten, dass wir uns in der Sache zu Wort melden.

Der Sachverhalt stellt sich uns folgendermaßen dar:
Geschätzte 70% aller  Pastorinnen und Pastoren in unserer Kirche bekommen entsprechend ihres Dienst- bzw. ihrem Lebensalters (jünger als 53 Jahre) ein Gehalt, das sich nach A13 bemisst. Ungefähr 2/3 seiner Dienstzeit wird eine Pastorin/ ein Pastor nach A13 bezahlt, bevor sich der Bewährungsaufstieg nach A14 für das letzte Drittel des Dienstes anschließt. Wenn Superintendentinnen und Superintendenten nun eine Zulage entsprechend A16 erhalten, bedeutet dies einen durchschnittlichen Gehaltsunterschied von ca. 1.540 € pro Monat. Damit bekommt ein/e Superintendent/in ungefähr 35% mehr Gehalt als die allermeisten Pastorinnen und Pastoren. Eine solche Erhöhung lehnen wir aus insgesamt sieben Gründen ab.

1.    Der Dienst in der Kirche ist ein Dienst von Geschwistern. Auch das Superintendentenamt ist in der Dienstgemeinschaft der Ordinierten nach Bekenntnis und Tradition unserer evangelischen Kirche (CA V.) immer ein Amt als primus inter pares gewesen. Es war keineswegs das eines weisungsbefugten Vorgesetzten und schon gar nicht das eines „höherrangigen“ Geistlichen wie z.B. in der römisch-katholischen Kirche.
Durch einen Gehaltsunterschied, der sich in drei Gehaltsstufen ausdrücken würde, käme  ein enormes Ungleichgewicht zustande. Dieser Gehaltsunterschied würde zu einer  unevangelischen Hierarchisierung innerhalb der Dienstgemeinschaft der Ordinierten in unserer Kirche führen. Dies widerspricht ihrem evangelisch-lutherischen Wesen zutiefst.
Auch im Vergleich zu anderen Berufsgruppen in der Kirche, die von indirekten Gehaltskürzungen (so etwa die Einführung eines Eigenanteils der kirchlich Beschäftigten an der betrieblichen Altersvorsorge) betroffen sind, ist diese Hochstufung nicht zu rechtfertigen.
2.    Eine Spreizung der Gehälter kann im Grunde genommen allein durch die Kosten und die Dauer sowie die Wertigkeit einer Ausbildung begründet sein. Diese aber ist für PastorInnen und SuperintendentInnen gleich!
3.     Wir anerkennen sehr wohl, dass  Arbeitsumfang, Aufgaben und Verantwortung im Bereich der Superintendenten gestiegen sind. Dies wurde jedoch in nahezu allen Kirchenkreisen durch eine spürbare Kürzung bzw. sogar die völlige Streichung des Gemeindeanteils in den Superintendenturgemeinden der EphorInnen kompensiert.
Arbeitsumfang, Aufgaben und Verantwortung im Bereich des Gemeindepfarramtes sind aber mindestens ebenso angestiegen. Doch hier  fand keine entsprechende Kompensation statt. Im Gegenteil, es gab an verschiedenen Stellen drastische Kürzungen, bedingt durch Sparmaßnahmen und Zusammenlegungen von Gemeinden. Dadurch gingen in den zurückliegenden Stellenplanungszeiträumen bis zu 30% aller Gemeindepfarrstellen verloren.
4.    Ein so hoher Gehaltsunterschied setzt falsche Anreize. In vielen Kirchenkreisen gab es bereits  in der Vergangenheit Schwierigkeiten,  Gemeindepfarrstellen zu besetzen. Bei nahezu allen ausgeschriebenen Superintendenturstellen haben sich hingegen auch bisher schon -  also bei einem A15-Gehalt -  jeweils mehrere geeignete BewerberInnen gefunden.
5.    Im Hinblick auf die vielen Gemeinden, die von Kürzungen im nächsten Planungszeitraum betroffen sind und die gerade zur Zeit dieser Beschlussfassung  ihre Planungen vorlegen mussten, ist der Zeitpunkt dieses Beschlusses ein falsches Signal.
6.    Für viele Pastorinnen und Pastoren war die  seitens der Kirchenleitung immer gegebene Zusage der besonderen Dienstgemeinschaft der Ordinierten in der Kirche der Grund, lange Wartezeiten und unfreiwillige Teildienste in Kauf zu nehmen (sog. Package Deal). Viele Pastoren-Ehepaare haben aus Gründen der Solidarität entsprechende Teildienste akzeptiert. Dass nun, wo sich die Lage finanziell entspannt, zunächst die Ephorengehälter erhöht werden, führt zu Frustration und Enttäuschung.
Zudem hat der Vorgang auch eine “geschichtliche” Dimension. Als die Kirchensteuereinnahmen in den 90er Jahren zurückgingen, wurde durch die Aufhebung des Bewährungsaufstiegs beim Pastorengehaltes nach A14 (damals in der Regel ab dem 39. Lebensjahr) ein deutlicher Beitrag zur Konsolidierung des landeskirchlichen Haushaltes geleistet. Ein damaliger synodaler Beschluss, alle kirchlichen Dienstnehmergruppen (Pastoren, SuperintendentInnen und Kirchenbeamte) mit Gehaltsopfern zu belegen, wurde jedoch nur bei den PastorInnen umgesetzt. Das Gehalt der Superintendenten blieb ungeachtet des Synodenbeschlusses weiterhin ungekürzt bei einem vollen A15-Gehalt.
Nun hat die Synode den Bewährungsaufstieg für PastorInnen von A13 nach A14 zum 1. Januar 2015 wieder beschlossen, allerdings erst ab dem 53. Lebensjahr. Um den damaligen Stand wiederherstellen, müsste aber das  39. Lebensjahr bzw. die 9. Dienstaltersstufe als Zeitpunkt gewählt werden. Da die verbesserte Haushaltslage im Vergleich zum damaligen Zeitpunkt dies ermöglicht und auch mehrere andere Landeskirchen diesen Weg beschritten haben, sollte die damalige Zusicherung der Wiedereinführung der Durchstufung nach A14 auch eingelöst werden. Stattdessen aber vorhandene Mittel für Erhöhung in einer Dienstgruppe vorzunehmen, die damals gar keine Einsparleistungen erbracht hatte, würdigt die Verzichte der Pastorenschaft in den letzten 20 Jahren nicht.

Aus oben genannten Gründen bitten wir die Synode die Entscheidung zu überdenken und statt der Einführung einer Zulage gemäß A16 für die Superintendenten die Wiedereinführung von A14 (9. Stufe) zu beschließen. Wir bitten Sie nachdrücklich, uns in diesen Anträgen zu unterstützen.
Unter dem Eindruck, dass unsere Argumente den Mitgliedern der Synode nicht hinreichend bekannt  waren, schreiben wir Ihnen diesen Brief. Sämtliche Geschwister im Ephorenamt haben wir in dieser Sache bereits angeschrieben. Auch sie haben wir in ihrer kirchenleitenden Funktion um ihre Unterstützung gebeten.

Der Pastorenausschuss

Ellen Kasper (Vorsitzende)        Andreas Dreyer (Stellv. Vorsitzender)

Kalender kommen später

Der Pfarramtskalender 2016 und der kleine blaue Taschenkalender waren schon fertig, da brannte die Lagerhalle der Druckerei ab. Nun müssen beide noch einmal gedruckt werden. Die Auslieferung verzögert sich dadurch voraussichtlich bis Ende Oktober.

Aus dem Lot

Gehaltsgefüge entwickelt sich auseinander
ein Kommentar von Anneus Buisman

Die Lücke zwischen den normalen Arbeitnehmereinkommen und den Vorstandsgehältern bei Deutschlands Börsenschwergewichten wird immer größer, so berichtet die Presse. Die EKD  hat daraufhin Teilen der deutschen Wirtschaft mangelndes gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein und Maßlosigkeit bei der Bezahlung von Managern vorgeworfen. Recht so.

Aber wie sieht es dort aus, wo Kirche ihr eigenes Gehaltsgefüge verantwortet? Das war bisher irgendwie plausibel: die Einkommen richteten sich nach Verantwortung, nach Länge, Qualität und Kosten  der Ausbildung, nach zusätzlichen Aufgaben usw. Übermäßige Spreizungen wurden vermieden.

Aber nun gerät es anscheinend aus dem Lot. Die Ausschreibung von Kirchenamts-Leiter-Stellen zeigt es an. Gab es dort bisher als höchste Vergütungsstufe  A 14, soll es nun A 15 werden. Und das für Beschäftigte, die weit überwiegend ihre vom ersten Tag an bezahlte Ausbildung als Vollfinanzierung bzw- alimentierung von der Kirche erhalten haben, sprich: keineswegs ein selbstfinanziertes Studium auf eigenes Risiko vorfinanzieren mussten.
Dies wiederum läßt nun die Superintendenten nicht ruhen. Als Aufsichtspersonen mit akademischer Ausbildung müssen sie dann ja A 16, das höchste Gehalt der A-Tabelle, bekommen, eine Stufe über den KA-Leitern. Die Debatte darum hat in den synodalen Gremien begonnen.
PastorenInnen, die als einzige Berufsgruppe in der Vergangenheit Kürzungen erfuhren (Zwangsteildienst für Ehepaare u.a., Abschaffung der Durchstufung, zeitweise niedrigere Gehaltstabellen) und immer noch nicht wieder dort angelangt sind, wo sie einmal waren, werden so  abgehängt. Ganz zu schweigen von den privatrechtlich angestellten Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitergruppen.
Das meistgenannte Argument in Kirche und Wirtschaft lautet stereotyp: „Sonst bekommen wir keine guten Leute“. Auf welche Mitarbeiter es den Menschen im Lande ankommt, das hat die neueste (V.) Mitgliedschaftsstudie der EKD gerade gezeigt, in der uns PastorInnen bescheinigt wurde, eine Schlüsselrolle in Verkündigung und Vermittlung innezuhaben. Braucht man dafür etwa keine „guten Leute“?

Deshalb fordere ich Sensibilität bei Veränderungen im Gehaltsgefüge ein! Schnell kann sonst der Eindruck entstehen, die Leitung und Verwaltung einer Kirche sei mehr wert als die Arbeit vor Ort.

Altbischof Eduard Lohse verstorben

Altbischof Eduard Lohse verstorben

Göttingen. Der Hannoversche Pfarrverein trauert um Altbischof Eduard Lohse, der am 23. Juni in Göttingen im Alter von 91 Jahren verstorben ist. Eduard Lohse war seit seiner Zeit als Landesbischof, durch den er in die hannoversche Landeskirche kam, ununterbrochen Mitglied unseres Vereins und nahm am Vereinsgeschehen bis zuletzt interessiert Anteil.

Ein echtes geschwisterliches Miteinander im Pfarrberuf war Eduard Lohse ein Herzensanliegen, er besaß eine hohe integrative Kraft und hat sich an vielen Stellen für die Belange der Pfarrerschaft insgesamt wie auch für Kollegen und Kolleginnen in schwierigen Situation engagiert eingesetzt.

In diesem guten Sinne war er pastor pastorum auch über die aktive Zeit als Landesbischof hinaus. Dafür danken wir ihm.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie. Ein ausführlicher Nachruf wird im nächsten Vereinsblatt erscheinen.

Andreas Dreyer,

Vorsitzender

 

 

 

 

Vertagt

Vertagt 1
Entscheidung über Höherstufung der Superintendenten auf die Herbstsynode vertagt

Gegen die Emfehlung des Finanzausschusses brachte der Landessynodalausschuss den Antrag auf Durchstufung der Superintendenten nach A 16 ein. Die Synode vertagte die Entscheidung auf den Herbst.

Dazu meint unser Mitglied Ulrich Hahn, Winsen:
„…„Übrigens,“ sagt ein Freund, „soll in der Synode ein Antrag eingebracht werden, dass die Superintendenten zukünftig A16 als Gehalt bekommen.“ Die Begründung dafür: Auch die Amtsleiter bekommen ja mehr. Die Begründung dafür: die Amtsleiter erledigen immer komplexere Aufgaben.
Ich hatte A 16 immer für ein Landessuperintendentengehalt gehalten. Neulich erst bin ich darauf gestoßen, das Landessuperintendenten im B- Bereich liegen.
Ich bin Jahrgang 1955, ein älterer Pastor. Als ich das höre, entsteht ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Ich versuche, diesem Gefühl nachzugehen. Mein Freund sieht mein Gesicht. Er fragt: „Bist du neidisch?“
Ich glaube: ja, ich bin neidisch. Aber dieser Neid ist mehr als ein Gefühl. Er ist ein Indikator. Was zeigt dieses Gefühl an?
Meine These ist: In der Veränderung des Gehaltsgefüges bei uns in der Kirche wird deutlich, dass das Organisieren von Arbeit immer wichtiger wird gegenüber dem Verrichten von Arbeit.
Leiten, Management, das, was Superintendenten und andere tun, soll Gemeindearbeit fördern. Dazu ist ein Kirchenkreis da. Dazu ist die Landeskirche da. Jedenfalls ist das rein quantitativ die Hauptaufgabe. Erfolgreich ist Kirchenleitung, wenn es den Gemeinden gut geht. Wenn ich die Frage beantworten sollte, ob unsere Kirchenleitung über die Jahre besser geworden ist, wüsste ich spontan nicht, ob ich das mit „Ja“ beantworten könnte. Kann sein, dass sie wichtiger geworden ist in dem Sinn, dass sie mehr Zeit absorbiert. Aber das kann auch an meiner Arbeitseinteilung liegen oder an meiner Rolle im Kirchenkreis, ich weiß es nicht so genau.
Mein Eindruck von der Lage: die Welle der Gehaltserhöhungen beginnt auf landeskirchlicher Ebene. Das Instrument, mit dem Einstufungen geändert werden, heißt Stellenbewertung. Es wird im Landeskirchenamt – so höre ich – von einer externen Firma durchgeführt, wegen der „Objektivität“. Das ist doch ein Witz. Als Berater muss ich doch meinen Klienten (den Mitarbeitenden im LKA) bescheinigen, dass sie toll sind und gut arbeiten. (Offiziell ausgedrückt: Ich begegne ihnen wertschätzend) Ich will ja zufriedene Kunden. Man könnte argumentieren: die Beraterfirma ist ja von der Leitung eingestellt. Auch kein Argument. Jeder weiß schließlich: wenn ich A15er leite, muss ich selbst mindestens A16 bekommen. Die Berater haben also ein vitales Interesse daran, Mitarbeiter hochzustufen.
Der zweite Witz ist, dass ich nicht höre, das so etwas auch mit Gemeindepastoren geschieht.
Nein, es ist eigentlich kein Witz. Es hat seine tiefe Berechtigung. Wir werden ja nicht entlohnt für das was wir leisten, sondern alimentiert. Nicht nur wir Pastoren, auch Kirchenbeamte. Aber offenbar wird das auch gerade unterlaufen – bloß: auch das sagt niemand.
Gleichzeitig wird erwogen, so höre ich dann auch, ob nicht das Barmer Bekenntnis in die Reihe unserer Bekenntnisse aufgenommen werden soll. Das ist das Bekenntnis mit der „Gemeinde von Brüdern (und Schwestern)“, bei der verschiedene Ämter keine Herrschaft des einen über den anderen begründen und die mit ihrer (Gehalts)ordnung ihrer Botschaft folgt. Ach. “

Vertagt 2
Entscheidung über Ruhestädlerpauschale auf Herbst vertagt
Zum 1.5. sollte die vor Jahren abgeschaffte Ruheständlerpauschale für die Leitung eines Gottesdienstes wieder aufleben. Damals wollte man explizit die „Alten“ von der Kanzel haben. Als ob denen die Bezahlung wichtig wäre. Aber mangelnde Wertschätzung wurde so schon deutlich. Im Augenblick dreht sich die Diskussion im Landeskirchenamt noch darum, ob die Aufwandsentschädigung bei 28,— Euro, wie bei Prädikanten, oder bei 40—50 Euro liegen soll. Letzteres schlagen jene vor, die wissen, wie wichtig es ist, Ruheständlern jene Wertschätzung zukommen zu lassen, die sie in den Gemeinden, für die ihre Diesnte unverzichtbar sind, bereits geniessen.
Der Hannoversche Pfarrverein setzt sich für eine großzügigen Regelung ein und schrieb an die Synode:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

wie zu vernehmen war, soll im Rahmen der derzeitigen Maßnahmen, mit denen PastorInnen im Ruhestand verstärkt in Gemeinden eingesetzt werden sollen, jetzt  – endlich – auch die sog. Predigerpauschale für Ordinierte , die in den Neunzigerjahren gegen unseren Protest ersatzlos gestrichen worden war, zum 1. Mai in unserer Landeskirche  wiedereingeführt werden. Dafür wäre eine Gottesdienstpauschale resp. Honorar von 28,- € plus Fahrtkosten vorgesehen.

Der Vorstand des hannoverschen Pfarrvereins hat sich dieser Thematik schon seit Jahren angenommen und die bisherige  Systemungerechtigkeit beklagt. Von daher begrüßen wir diese neue Entscheidung grundsätzlich, halten einen höheren Entschädigungssatz von 50,- € plus Fahrtkosten für angemessen. In Dienstbeschreibungen, Tabellen mit Zeitvorgaben für Gottesdienste etc. wird regelmäßig für die Vorbereitung und Durchführung eines Gottesdienstes ein Zeitrahmen von bis zu 8 Stunden angesetzt. Vergütungssätze für Aushilfs-Organistendienste, insbesondere auch bei Kasualien, sind ebenfalls in den Vergleich mit einzubeziehen. Insofern handelt es sich hierbei auch um generelle Wertschätzung und Anerkennung eines freiwillig geleisteten Dienstes. PastorInnen, die diesen Betrag spenden wollen, sollen und können dies natürlich auch wie bisher schon tun.

Wir bitten um Berücksichtigung unserer Einwände.“

 

Eingestellt: 19.6.2015